18.06.2018 13:47
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Brasilien
Antidumping-Zölle empören Brasilien
Die frisch eingeführten Antidumpingmassnahmen Chinas bei brasilianischen Geflügelfleischimporten sind in Brasilien auf Unverständnis und Protest gestossen. Die Regierung in Brasília widersprach jetzt der Einschätzung Pekings, dass die Geflügelfleischlieferungen aus Brasilien die chinesischen Produzenten schädigen.

Nach Zahlen der Südamerikaner macht der Anteil ihrer Exporte nach China gerade einmal 5% des dortigen Geflügelfleischmarktes aus. Damit seien diese Lieferungen nicht verantwortlich für die Entwicklung des chinesischen Binnenabsatzes an Geflügelfleisch. 

Tatsächlich sei dieser in den zurückliegenden Jahren sogar gewachsen. Die brasilianische Regierung hob hervor, dass sich auch die chinesische Geflügelfleischbranche positiv entwickelt habe, beispielsweise hinsichtlich der installierten Kapazitäten und erzielten Gewinne. Zugleich stellten die Südamerikaner klar, dass sie auf die Einhaltung der Vorgaben der Welthandelsorganisation (WTO) achteten. Angesichts des Fehlens nachweisbarer Verstösse müsse China die Antidumpingmassnahmen einstellen. 

Heftiger Protest am Vorgehen Chinas kam von der brasilianischen Vereinigung Tierisches Protein (Associacão Brasileira de Proteína Animal - ABPA). Auch der Verband wies darauf hin, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen den Geflügelfleischlieferungen aus Brasilien und der Marktsituation in China gebe. Die Festlegung der Massnahme sei ein Rückschritt in den guten Handelsbeziehungen, die beide Länder im Laufe dieses Jahrzehnts aufgebaut hätten. 

In China sind auf Geflügelfleischimporte aus Brasilien seit dem vorvergangenen Samstag Abgaben in Höhe von 18,8% bis 38,4% zu zahlen. Damit reagiert die Regierung in Peking auf die ihrer Einschätzung nach zu niedrigen Preise für brasilianisches Geflügelfleisch im eigenen Land. Nach Beschwerden chinesischer Produzenten waren diese Dumpingpreise in einer noch laufenden Untersuchung bestätigt und als schädlich für die heimischen Erzeuger eingestuft worden. 

Die jetzt erhobenen Zölle sind vorläufig. Eine endgültige Entscheidung wurde für August angekündigt. China gehört zu den wichtigsten Geschäftspartnern brasilianischer Geflügelfleischexporteure. Von den insgesamt 4,32 Mio t Fleisch, die diese laut Zahlen von ABPA im vorigen Jahr weltweit absetzten, gingen rund 9% nach China.

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