24.07.2018 17:05
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Bauern drohen Milliardenschäden
Die Trockenheit im Norden und Osten des Landes trifft die Bauern knüppelhart. Die Schäden an den Kulturen werden auf weit über eine Milliarde geschätzt. Und Bauern müssen teilweise die Tiere in die Schlachthöfe bringen.

Die ausgeprägte Trockenheit und enorme Hitze macht den deutschen Landwirten massiv zu schaffen. Die Getreideernte fällt deutlich tiefer auf, den Viehhaltern geht das Futter für die Tiere zur Neige.

Mais nur kniehoch

«Wir erwarten Schäden in Milliardenhöhe», sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, zur «Passauer Neuen Presse». Allein beim Getreide sei mit sieben bis acht Millionen Tonnen weniger Ernte als im Durchschnitt zu rechnen. «Allein das wäre ein Schaden von rund 1,4 Milliarden Euro (1.62 Mrd. Fr.)», so Rukwied weiter.

Doch nicht nur das Getreide, sondern auch die Zuckerrüben, Kartoffeln und der Mais dürfte nicht dieselben Erträge abwerfen. In einigen Regionen sei der Mais nur kniehoch, erklärt der Bauernpräsident.

Mehr Kühe geschlachtet

Aufgrund der Trockenheit wächst markant weniger Grünfutter für das Rindvieh. «Die Viehhalter müssen jetzt entweder auf Futtervorräte vom Vorjahr zurückgreifen, Futter zu hohen Kosten zukaufen oder den Viehbestand durch vorgezogene Schlachtungen reduzieren», mahnt Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Verbandes. Die Bauern müssten schwierige Entscheidungen treffen. Auch gesunde und genährte Tiere könnten auf der Schlachtbank landen.

Einzelne Betriebe mit Rindern müssten Tiere aufgrund von Futtermangel schlachten, sagt der Verband der Fleischwirtschaft gegenüber den «Deutschen Wirtschaftsnachrichten». «Bei Kühen scheint dies seit einigen Wochen der Fall zu sein. Die wöchentlichen Schlachtzahlen für Kühe liegen seit Anfang Juni über den Vergleichswerten des Vorjahres», teilte der Verband mit.

Bauernverband fordert Unterstützung

Ebenfalls von der Trockenheit betroffen sind die Gemüsebauern. «Es fehlt an Regen. Aber es ist für den gewerbsmäßigen Gemüseanbau noch nicht bedrohlich», sagte der Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Gemüseanbau im Zentralverband Gartenbau, Jochen Winkhoff. Problematisch:  Die grossen Regenwassersammelbecken gehen langsam zur Neige. Im Freilandgemüsebau wird Lage angespannt, weil die Pegelstände der Gewässer sinken.

Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert Unterstützung vom Staat. «Wichtig ist, dass die Politik die Notstandssituation ausruft, damit dort, wo die Trockenheit extrem zugeschlagen hat, die Landwirte direkt mit Liquiditätshilfen unterstützt werden können.» Einige Betriebe stünden ohne Unterstützung vor dem existenziellen Aus.

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