15.01.2015 07:52
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/lid
Deutschland
Bauern kippen Milchindustrie Pulverberg vor die Türe
Bauern des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) habe am Mittwoch in Berlin gegen das Verhalten der Milchindustrie protestiert. Die Industrie habe bis heute keine Regelung getroffen, um Überschüsse und Preisstürze zu vermeiden.

In einer symbolischen Aktion schütteten die Milchbauern einen Milchpulverberg vor die Tür des Milchindustrieverbandes (MIV). Sie werfen der Industrie vor, sich einer vernünftigen Agrarmarktpolitik zu verweigern und damit für existenzgefährdende Milchpreise in der EU verantwortlich zu sein, heisst es in einer Mitteilung. Laut BDM-Präsident Romuald Schaber wird seit Monaten deutlich mehr Milch produziert als zu ordentlichen Preisen abgesetzt werden kann.

„Diese erneute Krise nach 2009 und 2012 ist die direkte Folge der Liberalisierung des Milchmarktes in der EU. Diese Entwicklung bedroht die Zukunft der Milchproduzenten in Deutschland massiv. Nach dem Auslaufen der Milchquotenregelung zum 31. März 2015 sind eine weitere Produktionssteigerung und noch stärker einbrechende Preise zu befürchten“, mahnt Schaber.  

Die beiden Verbände halten den MVI für die treibende Kraft, die verhindert, dass eine Regelung zur Vermeidung von Überschüssen und Preisabstürzen gefunden werden kann. Georg Janssen, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), macht deutlich: “Wie ein Kartenhaus brechen derzeit die hoch gepriesenen Erwartungen auf die Märkte in Russland und China in sich zusammen. Wirtschaftlich ausbaden sollen es einmal mehr die Milchbauern und ihre Familien."

Die Molkereien zahlten den Bauern weit weniger, als zur Deckung ihrer Produktionskosten von deutlich über 40 Cent notwendig sei, so Janssen. Die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe werde gefährdet, und das sei nicht im Sinne der Konsumenten.

BDM und AbL fordern von Agrarminister Christian Schmidt deshalb eine Kurskorrektur in der Milchpolitik. Die Regierung solle sich auf europäischer Ebene für Instrumente einsetzen, mit denen auch nach dem Ende der Quotenregelung im Bedarfsfall die Produktion "wirksam" begrenzt werden kann. Die Sicherung der Milchbetriebe müsse Vorrang vor Exportinteressen von Konzernen haben, fordern die Verbände.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE