3.07.2017 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Südeuropa
Bauern leiden unter Trockenheit
Die Landwirtschaft in Italien und Spanien ächzt unter den anhaltenden Wetterunbilden in diesem Jahr. Die Schäden gehen in die Milliarden. Bauernverbände fordern Massnahmen.

In Italien wurde aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit in den nördlichen Provinzen Parma und Piacenza jetzt der Notstand ausgerufen. Gleichzeitig wurden 8,65 Mio. Euro (9.4 Mio. Fr.) von der Regierung freigegeben, um Landwirte im Kampf gegen die Dürre zu unterstützen.

Tomaten und Oliven

Medienberichten zufolge liegt der Pegelstand des Po, in dessen Delta sich eines der wichtigsten Anbaugebiete in Norditalien befindet, 65% unter dem saisonalen Normalwert. Ernst soll die Situation auch in den Provinzen Emilia Romagna, der Toskana, Venetien, Latium und Sardinien sein. In Piemont wurde die höchste Feuerwarnstufe ausgerufen.

Die Situation ist besonders dramatisch, da bereits der letzte Herbst und der Winter ungewöhnlich warm und trocken waren. Die Wasserreservoire seien in vielen Regionen unterversorgt, heisst es. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti rechnet damit, dass insgesamt 75% der italienischen Landwirtschaftsfläche von der Dürre bedroht sind. Bisher geht man von Einbussen in Höhe von mehr als 1 Mrd. Euro (1.09 Mrd. Fr.) aus. Im Norden ist derzeit vor allem der Tomatenanbau betroffen, in Süditalien insbesondere der Olivenanbau.

Milchproduktion bricht ein

Aber auch bei allen anderen Kulturen dürfte die kritische Wasserversorgung zu Minderernten führen. In Venetien sieht man bereits jetzt einer vorgezogenen Weinernte mit einer geringen Ausbeute entgegen. Unter der Hitze leiden ausserdem die Tiere und die Milchproduktion. Allein in der Lombardei soll die Milchmenge um 40 Prozent zurückgegangen sein. Deutliche Effekte werden auch für die Käseproduktion befürchtet.

Coldiretti-Präsident Roberto Moncalvo forderte stärkere Massnahmen zur Bekämpfung der Wasserverschwendung und zur Förderung von Systemen für eine Landwirtschaft mit einem niedrigeren Wasserverbrauch, den Aufbau von Wasserreservoirs und de Wasserrückgewinnung.

Spanien: Ernte fällt aus

In Spanien sprach der Bauernverband UBA von einem „katastrophalen Jahr“. Nach dem Schnee im Frühling erlebe das Land jetzt die grösste Dürre seit 25 Jahren. Bislang sei in der heimischen Agrarproduktion mit einem Schaden von insgesamt 2 Mrd. Euro (2.2 Mrd. Fr.) zu rechnen, Tendenz steigend. Auf vielen Höfen falle die Ernte voraussichtlich vollkommen aus, erklärte der Verband und forderte Direkthilfen. Die üblichen Massnahmen, etwa die Aussetzung von Beiträgen zur Sozialversicherung, reichten als Hilfsmassnahme nicht aus.

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