25.09.2019 18:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Bauern protestieren mit Kreuz
Der Aufruf des als Bauer Willi bekannten Landwirts und Agrarbloggers Dr. Willi Kremer-Schillings, grüne Mahnkreuze auf den Äckern aufzustellen, um auf die negativen Folgen des Agrarpakets der deutschen Regierung insbesondere auf kleine Landwirtschaftsbetriebe hinzuweisen, stösst unter den Bauern und im ländlichen Raum auf grosse Resonanz.

Das zeigt eine Umfrage, die von der Informationsplattform agrarheute durchgeführt wurde und an der in der vorletzten Woche fast 4'000 agrarheute-Leser teilnahmen.

Kleine und mittlere Betriebe steigen aus

Etwa 65% der Umfrageteilnehmer gaben an, sich an der Protestaktion aktiv zu beteiligen. 21% befürworteten die Aktion, auch wenn sie selbst nicht mitmachten. Nur 14% der Teilnehmer sähen keinen Nutzen in der Aktion, berichtete der Deutsche Landwirtschaftsverlag (dlv), in dem agrarheute erscheint. Laut seinen Angaben unterstützen mehrere Bauernverbände die Aktion, die innerhalb der Agrarbranche nicht unumstritten ist.

Norbert Lehmann, Ressortleiter Management & Markt bei agrarheute, wies darauf hin, dass die Kampagne keine Forderungen stelle. Vielmehr mache sie auf die Konsequenzen politischen Handelns aufmerksam. „Wenn das Agrarpaket umgesetzt wird, heisst das in einer Welt des liberalisierten Agrarhandels: Kleine und mittlere Betriebe steigen aus, mehr Grossbetriebe entstehen, mehr Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert“, so Lehmann. So ehrlich sollte die Politik schon sein und dies auch zugeben. Ein paar Euro mehr für die ersten Hektare seien gegen diese Marktmechanismen nur „weisse Salbe“.

Engagement wird nicht anerkannt


Derweil übte auch der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Karsten Schmal, scharfe Kritik am Agrarpaket der Regierung, insbesondere am Aktionsprogramm Insektenschutz. Die Landwirte seien „sehr erzürnt und regelrecht geschockt“, berichtete Schmal. Die Bauernfamilien seien sehr enttäuscht darüber, dass ihr zunehmendes Engagement zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Insekten und der Artenvielfalt, zum Beispiel durch das Anlegen von Blühstreifen mit einer Gesamtlänge von vielen tausend Kilometern in ganz Deutschland, nicht anerkannt werde.

Natur- und Artenschutz könnten nur mit den Bauern funktionieren und nicht gegen sie. „Kooperation statt Konfrontation muss die Devise lauten“, forderte der HBV-Präsident. Die Bauern lebten von und mit der Natur und hätten ein ureigenes Interesse an einer vielfältigen Flora und Fauna.

Mit den Kreuzen soll auf das Höfesterben und die Arbeit der Bauern aufmerksam gemacht werden. Kritisiert wird mit den Kreuzen unter anderem auch der Insektenschutzplan des Agrarpakets. Mit dem Insektenschutzplan sollen Streuobstwiesen oder artenreiche Grünflächen unter den Schutz eines Biotopes gestellt werden. Die Landwirte befürchten Landverluste. 

Viele Sorgen

Indes nutzten rund 50 Landwirte aus Bayern die Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion im Kloster Banz, umein Mahnzeichen gegen die steigenden Auflagen und Bürokratie zu setzen. Vor Beginn derHerbstklausuren von CSU und auch der Freien Wähler zeigte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Walter Heidl, in einem „eindringlichen“ Schreiben den Abgeordneten der Regierungsfraktionen den Ernst der Lage der bayerischen Land- und Forstwirtschaft auf. „Unsere Landwirte sehen sich mit ihren Sorgen von den Regierungsverantwortlichen nicht mehr ernst genommen“, stellt Heidl darin fest.

Thematisch geht es dem BBV dabei um die Pläne zur Umschichtung von Geldern aus der Ersten in die Zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), das „völlig überzogene“ Insektenschutzprogramm und die Tierwohlkennzeichnung. Ein weiteres Anliegen sind den bayerischen Landwirten die erforderlichen Überlegungen zu den Agrarumweltprogrammen, nachdem sich die Beratungen zur EU-Agrarpolitik nach 2020 verzögert haben. Ein „großes Thema“ sei für die Bauern außerdem die Klimaschutzstrategie mit

leistbaren Massnahmen. Im Bereich der Tierhaltung geht es dem BBV um eine Zukunftsstrategie für die bayerische Nutztierhaltung mit einer starken Investitionsförderung. „Mit der bisherigen Frequenz und Tiefe der Regelungsvorschläge mit einseitigen und völlig überzogenen Punktenmuss jetzt Schluss sein“, forderte der BBV-Präsident.

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