30.09.2019 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Bauern trauern um Chirac
Das ehemalige französische Staatsoberhaupt Jacques Chirac ist in der vergangenen Woche verstorben. Chirac hatte im Laufe seiner politischen Karriere zahlreiche Ämter inne und war der Landwirtschaft besonders verbunden.

Er galt als leidenschaftlicher Verfechter der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und war ein regelmäßiger Gast der Pariser Landwirtschaftsmesse SIA, die er laut dem Pariser Agrarressort in 40 Jahren nur ein einziges Mal aufgrund eines Autounfalls verpasste.

Zuletzt war der geborene Pariser von 1995 bis 2007 Staatspräsident Frankreichs. Zweimal diente Chirac als Premierminister; das erste Mal von 1974 bis 1976 und ein zweites Mal in den Jahren 1986 bis 1988. Das Pariser Agrarressort führte Chirac von 1972 bis 1974 unter dem damaligen Regierungschef Pierre Messmer.

Er gewann die Sympathien des Berufsstandes unter anderem durch die Einführung einer Beihilfe für die Bergbauern, aus denen die heutigen Ausgleichszahlungen für die benachteiligten Gebiete (ICHN) hervorgegangen sind. Staatspräsident Emmanuel Macron würdigte Chirac als „grossen Franzosen“, der viel für die Nation und ihre Werte erreicht habe. Es sei ihm gelungen, gleichermassen die Sympathien der Landwirte und der Unternehmensleiter zu gewinnen.

Auch der französische Bauernverband (FNSEA) betonte, dass zwischen Chirac und den Landwirten immer Zuneigung bestanden habe. Der ehemalige Staatspräsident habe mit Worten und Taten Respekt und Rücksicht vor dem Berufsstand zum Ausdruck gebracht und die Bauern ermutigt und stolz gemacht. Chirac habe gewusst, wie man bei Bedarf in Brüssel Türen zuschlagen könne, vor allem aber, wie das Wesentliche zu sichern sei: Die Konsolidierung der deutsch-französischen Achse durch die Vereinbarung über den GAP-Haushalt mit dem deutschen Regierungschef Gerhard Schröder, die auch heute noch als Meilenstein der europäischen Geschichte gelten könne.

Franzosen verabschieden sich von Chirac

Tausende Menschen haben am Sonntag angestanden, um sich von dem verstorbenen früheren Staatspräsidenten Jacques Chirac zu verabschieden. Vor dem Pariser Invalidendom bildete sich am Mittag bei Regenwetter eine lange Schlange.

Der Sarg des konservativen Politikers stand im Eingang der Kirche bedeckt von der französischen Trikolore. An der Wand hing ein riesiges Porträt Chiracs, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Zuvor war der Sarg des ehemaligen Präsidenten mit einem Konvoi zum Dom-Gelände gebracht worden. Dort hielten Vertreter verschiedener Religionen eine interreligiöse Zeremonie ab, um Chirac zu gedenken. Auch Mitglieder seiner Familie wie seine Tochter Claude waren anwesend.

Das ehemalige Staatsoberhaupt war am Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Am Montag wird es einen Trauertag zu Ehren Chiracs geben. Zu einem Gottesdienst in der Pariser Kirche Saint-Sulpice werden Dutzende Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter Bundesrat Guy Parmelin.

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