6.10.2020 17:12
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Italien
Bauern verzeichnen grosse Schäden
In Norditalien hat ein Unwetter am vergangenen Wochenende enorme Schäden auch in der Landwirtschaft angerichtet. Der mitgliedsstärkste Landwirtschaftsverband Coldiretti schätzt diese auf 300 Mio. Euro (323 Mio. Fr.).

Am härtesten getroffen wurden die Regionen Piemont, Val d'Aosta, Ligurien und Lombardei. Im Piemont wurde eine Herde von 100 Schafen und Ziegen vom über die Ufer getretenen Fluss Toce mitgerissen. Auf mehreren Alpen sassen Viehzüchter mit ihren Rindern fest, weil Erdrutsche ihnen den Weg zurück ins Tal versperrten.

Reisernte verloren

In allen betroffenen Regionen wurden von der Wucht des Regens und des Wassers der übergetretenen Flüsse Gemüsefelder sowie Gewächshäuser zerstört. In der Region Val d'Aosta wurde 70% der Kastanienernte von dem Unwetter vernichtet. In Ligurien, wo die Olivenernte begonnen hat, ist ersten Schätzungen zufolge etwa ein Drittel der Produktion verlorengegangen und die Landwirtschaft insgesamt stark beeinträchtigt worden. Der Fluss Rojo hat gemäss Vernand Brücken nieder- und Bewässerungskanäle sowie die für die Region typischen Trockenmauern mitgerissen.

Besonders dramatisch ist die Lage laut Coldiretti im lombardischen "goldenen Reisdreieck" von Vercelli, Novara und Pavia. Dort wird rund 80% des italienischen Reises erzeugt. Die Ernte sollte in diesen Tage beginnen. Dem Verband zufolge ist der Ertrag eines ganzen Jahres weg. Dies sei ein enormer Schaden nicht nur für die betroffenen Landwirte, sondern für die italienische Landwirtschaft generell, so Coldiretti. Italien sei mit 228'000 ha und etwa 4'000 Betrieben der grösste Reisanbauer in Europa. Der Ertrag liege bei rund 1,50 Mio. t ungeschälten Reis, was etwa 50 % der Reisproduktion in der EU entspreche.

Aktionsplan gefordert

Der Klimawandel, der zunehmend zu tropischen Unwetterphänomenen führe, sei eine grosse Herausforderung für die Landwirte, so der Verband. Hinzu komme die jahrzehntelange "Zementierung" der Landwirtschaft, infolge der in den vergangenen 25 Jahren ein Viertel der Grünflächen verschwunden sei. Dies gelte besonders für den Norden des Landes, wo im Piemont und in Ligurien alle Gemeinden ein erhöhtes Überschwemmungsrisiko aufwiesen.

Der Verband fordert angesichts der Unwetterschäden sowie der Folgen der Corona-Pandemie einen nationalen Aktionsplan der Politik, um diesen Konsequenzen vorzubeugen. Dabei müsse der Bodenschutz sowie die korrekte und regelmässige Wartung der Flüsse in den Vordergrund gestellt werden. Besonders wichtig sei es, dass sich Programme und Ressourcen auf die ländlichen Gebiete konzentrierten, in denen die Landwirtschaft weiter eine wichtige Ertragsquelle darstelle. 

Die jüngsten heftigen Unwetter haben in Italien vermutlich Milliardenschäden angerichtet. Nach Rekordregen und Sturm waren am Wochenende im Nordwesten des Landes und in Frankreich Strassen und Brücken zerstört worden. Orte wurden überschwemmt, mehrere Menschen starben. Allein für die besonders hart getroffene Region Piemont schätzte der Regionalpräsident Alberto Cirio die Schadenshöhe am Dienstag auf rund eine Milliarde Euro. Ausserdem hatte die Unwetterfront auch im Aostatal und in Ligurien gewütet. sda

 

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