9.07.2018 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Handelsstreit
«Bauern wollen Handel, keine Zölle»
China reagiert mit Vergeltungszöllen auf die Handelsbarrieren der USA. Viele Agrareinfuhren aus den USA werden mit einer zusätzlichen Einfuhrabgabe von 25 Prozent belegt. Die Notierung für Sojabohnen in Chicago sind seit Mai kräftig gesunken. Die Farmer sind beunruhigt.

Die Vereinigten Staaten haben im Handelskonflikt mit China am vergangenen Freitag Strafzölle in Höhe von 25% auf Importe von Waren aus der Volksrepublik im Wert von 34 Mrd. USD (33.6 Mrd. Fr.) verhängt. 

Strafabgaben auf landwirtschaftliche Produkte

Ein Sprecher des Pekinger Handelsministeriums sprach vom „Beginn des grössten Handelskriegs in der Wirtschaftsgeschichte“, den die USA eingeleitet hätten, und kündigte umgehende Vergeltungszölle von 25% für hunderte US-Produktemit dem gleichen Warenwert an.Während die US-Zölle vorwiegend Technologieprodukte aus der Volksrepublik betreffen, zielen die chinesischen Strafabgaben stark auf landwirtschaftliche Produkte wie Sojabohnen, Getreide, Orangensaft und Fleisch. 

Beim wichtigsten US-Agrarexportgut Sojabohnen, im vergangen Jahr wurden rund 32 Mio. t im Wert von 12,4 Mrd. USD (12,3 Mrd. Fr.) nach China verschifft, hat sich der Handelsstreit bereits negativ bemerkbar gemacht. Seit Ende Mai 2018 gab die Notierung für den Novemberkontrakt an der Terminbörse in Chicago um fast ein Fünftel auf 8,57 USD/bu (315 Fr.) nach. Das war der tiefste Stand seit fast zehn Jahren. 

Soja: 31% nach China

Der Präsident derAmerican Soybean Association (ASA), John Heisdorffer, kritisierte, dass die Strafzölle die Bohnenanbauer landesweit in finanzielle Bedrängnis bringen werden. „Es ist zwingend notwendig, den wichtigen Markt in China zu behalten, auf dem im vergangenen Jahr 31% der gesamten Ernte abgesetzt wurde“, betonte Heisdorffer. Auch in anderen Bereichen bröckelt der Rückhalt für US-Präsident Donald Trump. „Wir sind besorgt“, warnte der Präsident des US Grain Council, Tom Sleight, kürzlich. Durch die Zölle für US-Produkte würden Marktanteile in China verlorengehen und neue Märkte müssten erschlossen werden. 

Der Vorsitzende der Vereinigung Farmers for Free Trade, Brian Kuehl, stellte klar: „Amerikanische Landwirte wollen Handel, keine Zölle“. Diese würden nur die Wettbewerber stärken. „Wenn amerikanische Sojabohnen und Mais teurer werden, gewinnt Südamerika. Wenn Rindfleisch teurer wird, gewinnt Australien“, kritisierte Kuehl.

Hoher Schaden für Schweinefleischexporteure


Auch die amerikanische Fleischbranche erwartet durch den Handelskrieg massive Verluste. Die amerikanische Exportorganisation für Fleisch (USMEF) wies darauf hin, dass China bereits Anfang April US-Schweinefleisch mit einen Zusatzzoll von 25% belegt habe, was zusammen mit der vorherigen Abgabe und der Mehrwertsteuer eine Gesamtbelastung von 51% ergebe. Nun kämen noch einmal 25 % hinzu, was US-Schweinefleisch einschliesslich Nebenerzeugnissen im Vergleich zu den Angeboten der Wettbewerber um rund die Hälfte teurer mache. 

Zudem wurden laut USMEF in mehreren Häfen Chinas die Kontrollen für US-Importe von Schweinelieferungen intensiviert, was zu längeren Wartezeiten, mehr Bürokratie und letztlich zu steigenden Kosten führe. Der Verlust von Marktanteilen auf dem wichtigen chinesischen Absatzmarkt und geringere Verkaufserlöse durch die Zölle könnten nach Schätzungen der USMEF von Mai bis Dezember zu einem Verlust von rund 770 Mio. USD (762 Mio. Fr.) führen. 

Auch Mexiko hat Strafzoll verhängt

Auch der grosse chinesische Schweinefleischproduzent, die WH-Group, leidet unter dem Handelsstreit. Der Aktienkurs des Fleischkonzerns, zu dem auch die amerikanische Smithfield gehört, ist an der Börse in Hongkong in den vergangenen drei Monaten um mehr als ein Drittel eingebrochen. 

Nicht nur China, sondern auch der wichtigste Kunde Mexiko, hat auf die neue Handelspolitik in Washington reagiert und Strafzölle für US-Schweinefleisch verhängt. Diese wurden am vergangen Donnerstag  für die gekühlte und gefrorene Ware auf 20% erhöht. Hier schätzt der USMEF die Einbussen durch rückläufige Lieferungen und den Preisverfall für die Industrie im Zeitraum Juli bis Dezember 2018 auf 425 Mio. USD (420 Mio. Fr.).

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