7.09.2015 08:38
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/rab/blu
Belgien
Bauerndemo in Brüssel beginnt
In der belgischen Hauptstadt Brüssel bereitet man sich auf die angekündigte Demonstration vor. Erste Traktoren sind bereits in aufgefahren. Regierungsgebäude und Hotel werden hermetisch abgeriegelt. Die Verbände Milchüberschüsse fordern eine, dass durch eine politisch koordinierte Drosselung die Milchproduktion am Markt abgebaut wird. Mit Bildergalerie

Anlässlich des Agrarrats am Montag in Brüssel demonstrieren nicht nur die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA), sondern mit eigenen Aktionen auch das European Milk Board (EMB) und die Europäische Koordination Via Campesina (EKVC). Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), selbst Mitglied im EMB, wies im Vorfeld auf den deutlich abweichenden Forderungskatalog im Vergleich zu dem von COPA und COGECA hin.

Milchorganisation gegen Exportausrichtung

Man wolle die derzeitigen Milchüberschüsse am Markt durch eine politisch koordinierte kurzfristige Drosselung der Milchproduktion auf den Höfen abbauen. „Wir wollen runter vom Überschuss, damit wir aus dem existenzbedrohlichen Preistief herauskommen. Wer sich jetzt noch gegen eine europaweit koordinierte Mengenreduzierung ausspricht, der treibt Tausende von Familienbetriebe in den Ruin“, erklärte der stellvertretende AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann.

Eine Exportausrichtung lehnen AbL, EMB und EKVC strikt ab. „Milch für die Welt bedeutet Milchproduktion zu Kosten und Standards wie in China, Indien, Südamerika oder in den USA, wo Betriebe mit mehreren Zehntausend Kühen das Bild bestimmen“, so Ilchmann. Diese Entwicklung werde die Konflikte zwischen Bauern und Gesellschaft weiter anheizen.

Runter vom Irrweg

Der stellvertretende AbL-Vorsitzende rief Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt dazu auf, „dass er sich auf die Seite der Bauern stellt und den Irrweg der Exportindustrie verlässt“. Ähnlich äusserte sich EMB-Präsident Romuald Schaber. „Uns ist wichtig, dass die Öffentlichkeit versteht, dass es gute und falsche Strategien für den Milchmarkt gibt. Und dass sie weiss, dass die Milchproduzenten nicht für Subventionen demonstrieren, sondern für Mengenkürzungen, über die ein fairer Preis erreicht werden kann“, sagte Schaber.

In Zeiten von Krisen müsse man über ein Krisenprogramm eine Drosselung der Mengen erreichen. Der EMB nennt dies „Marktverantwortungsprogramm“. Finanziert werden soll es über die Nutzung der Superabgabe. Daneben verwies das EMB gemeinsam mit der MEG Milch Board auf eine von ihnen in Auftrag gegebene Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL). Danach klafft zwischen den Milchpreisen und den Produktionskosten ein grosses Loch.

Mehr Verantwortung übernehmen

Das BAL veranschlagt die Produktionskosten für einen Liter Milch im April 2015 auf 45,44 Cent (49 Rp./kg), bei einem durchschnittlichen Milchpreis von lediglich 31,34 Cent (33,8 Rp.). Im April habe der Milchpreis somit nur 69 % der Kosten decken können. Schaber betonte, seit April seien die Preise sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern noch weiter gefallen. In der europäischen Milchpolitik müsse sich unbedingt etwas ändern.

Der Vorsitzende der MEG Milch Board, Peter Guhl, warnte, die Kommission könne mit Geld nur die Symptome der Krise abmildern, jedoch nicht strukturelle Probleme am europäischen Milchmarkt. Die Milchbauern selbst müssten noch mehr Verantwortung übernehmen. Ein liberalisierter Markt brauche Regeln. Flächendeckend in Produzentengemeinschaften organisierte Milchbauern spielten bei der Gestaltung dieser Regeln eine entscheidende Rolle.

Die MEG Milch Board fordert die Vertragspflicht für alle Milcherzeuger, die Förderung von Milcherzeugergemeinschaften, die Abschaffung der genossenschaftlichen Andienungspflicht und einen gleichberechtigten Dialog über alle Verwertungsstufen hinweg. Im Sinne von EMB und MEG Milch Board argumentiert auch die EKVC. Via Campesina verlangt zusätzlich von der EU einen sofortigen Verhandlungsstopp zu geplanten Freihandelsabkommen.

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