25.04.2016 06:09
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Bauernverbände warnen vor historischer Agrarmarktkrise
Vor einer historischen Krise auf den Agrarmärkten haben die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) gewarnt und gleichzeitig an die EU-Institutionen appelliert, unmittelbare Lösungen zur Überwindung der Krise zu finden.

Die von der EU zur Linderung der Lage verabschiedeten Massnahmen haben nur wenig Wirkung gezeigt. Die Marktlage insbesondere für Rindfleisch, Schweinefleisch und Milch verschlechtert sich fortlaufend und wird durch das russische Einfuhrverbot für Agrarprodukte aus der EU noch verschärft, sagte COPA-Präsident Martin Merrild am Freitag in Brüssel.

Gefahr Mercosur

Es sei nicht hinnehmbar, dass die Landwirte die Zeche für eine politische Auseinandersetzung mit Moskau zahlten. „Wieder Zugang zum russischen Markt zu erlangen, hat Priorität“, betonte Merrild. Die Landwirte und die landwirtschaftlichen Genossenschaften seien heute auch stärker den Marktkräften ausgesetzt und benötigten einen besseren Zugang zu Marktdaten, damit sie effizienter vorausplanen und sich gegen Risiken absichern könnten.

„Was die Sache noch schlimmer macht, ist, dass die EU-Kommission den Binnenmarkt für Importe aus dem lateinamerikanischen Handelsblock Mercosur öffnen will“, kritisierte der COPA-Präsident. Das hätte katastrophale Auswirkungen auf die Agrarmärkte der EU und insbesondere auf den Rindfleischsektor. Merrild gab in dem Zusammenhang zu bedenken, dass in den Mercosur-Staaten nicht die hohen Umwelt- und Qualitätsstandards der EU eingehalten würden. Es bestünden nach wie vor Bedenken bezüglich der Sicherheitsaspekte der Fleischproduktion und der Verwendung von Antibiotika als Wachstumsförderer.

Besserer Erlös über den Markt

Die EU müsse auch noch stärker tätig werden, um neue Märkte zu erschliessen und die Massnahmen der Absatzförderung intensivieren. „Diese Krise zeigt, wie wichtig eine wirklich Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist, so Merrild. Gebraucht werde aber eine GAP, die in allen Mitgliedstaaten die gleiche sei und die die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte sichere. Die derzeitige GAP sei dazu nicht imstande.

„Wenn Milch weniger kostet als Wasser, läuft da eindeutig etwas falsch“, stellte Merrild fest. COGECA-Präsident Thomas Magnusson erklärte, die Landwirte müssten einen besseren Erlös über den Markt erwirtschaften können und dürften nicht auf unfaire Art und Weise in die Zange genommen werden.

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