19.01.2013 18:44
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
BDM fordert flexible Marktsteuerung statt vollständige Liberalisierung des Milchmarkts
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) hat der Bundesregierung mit Blick auf das vergangene Jahr „Schönfärberei“ des Milchmarkts vorgeworfen und angesichts der zunehmenden Schere zwischen Kosten und Erlösen eine Abkehr von der vollständigen Marktliberalisierung gefordert.

„Die Bundesregierung spricht bei der Milch von einem Erfolgskurs, das ist eine glatte Lüge“, erklärte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber vergangene Woche im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin.

2012 gingen 10'000 Arbeitsplätze verloren

Wirtschaftlich gesehen blickten die Milchbauern vielmehr auf ein denkbar schlechtes Jahr zurück. Ein Wertschöpfungsdefizit von rund
4 Mrd. Euro (4,8 Mrd. CHF) habe viele von ihnen sogar an den Rand der Existenzgrundlage gebracht. Neben deutlich gesunkenen Milchpreisen im ersten Halbjahr 2012 hätten dafür vor allem massiv steigende Betriebsmittelkosten in der zweiten Jahreshälfte gesorgt.

Als Folge der wirtschaftlichen Schieflage seien deshalb knapp fünf Prozent der Milchviehhalter im Jahr 2012 aus der Produktion ausgestiegen, was den Verlust von rund 10'000 Arbeitsplätzen in der Milchviehhaltung nach sich gezogen habe. „Aus Regierungssicht handelt es sich dabei um ein ‚kleine Delle’, währenddessen bleiben die Forderungen der Milchbauern nach einem fairen Milchpreis weiterhin ungehört“, kritisierte der BDM-Vorsitzende.

Sinnvolle Marktregeln notwendig

Auch die Preiserhöhungen vom Herbst 2012 brachten nach Meinung Schabers allenfalls eine „scheinbare“ Entspannung. Die Milchbauern hätten zu dem Zeitpunkt nur 32 ct/l bis 33 ct/l erhalten, was keineswegs ausreiche, um die Kosten für Energie, Futtermittel oder Fahrzeuge und Geräte abzudecken. „Für eine kostendeckende Produktion sind weitmehr als 40 ct/l notwendig, wie die Ergebnisse der aktuell veröffentlichten Studie "Produktionskosten der Milcherzeugung 2001-2011’ belegen“, erläuterte der BDM-Chef.

Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des Milchproduzenten das Auslaufen der Milchquote in zwei Jahren. Die Politik müsse hier endlich aufwachen und die Situation realistisch bewerten. Die Bauern benötigten sinnvolle Marktregeln, um eine nachhaltige Milchproduktion in Deutschland zu ermöglichen. Eine vollständige Liberalisierung stelle sich immer deutlicher als reine Utopie dar beziehungsweise begünstige allein die Konzerne der Ernährungsindustrie, monierte Schaber.

Freiwilliger Produktionsverzicht?

Der BDM-Vorsitzende bekräftigte im Vorfeld der IGW seine Forderung nach einer flexiblen Marktsteuerung auf einzelbetrieblicher Grundlage in Verantwortung der Milchviehhalter. Eine europäische Monitoringstelle soll dabei nach Angaben des Verbandes die Marktsituation erfassen, Marktprognosen aufstellen, die Vollkostensituation ermitteln und einen Zielpreiskorridor ermitteln, in dem sich der durchschnittliche Milchpreis bewegen sollte.

Die Preisbildung erfolgt in diesem Fall laut BDM weiterhin frei am Markt. Im Fall, dass der Milchpreis den Zielkorridor verlässt, soll die Monitoringstelle mitteilen, inwieweit die Milchmenge erweitert oder reduziert werden muss. „Wenn es um die praktikable Umsetzung einer flexiblen Mengensteuerung geht, wird auch die Bündelung der Milcherzeuger an Bedeutung weiter zunehmen“, stellte Schaber fest.

Marktkrisenmassnahme

Die Bundesregierung müsse deshalb den Beschluss der Agrarminister der Bundesländer, die Bündelungsmöglichkeiten je nach Marktkonstellation in den verschiedenen Regionen zuzulassen, mittragen. Sie dürfe sich ausserdem einer Weiterentwicklung der im EU-Milchpaket bisher vorgesehenen Marktmassnahmen nicht verschliessen.

Mit der von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos vorgeschlagene Marktkrisenmassnahme „Freiwilliger Produktionsverzicht gegen Ausfallentschädigung“ könne beispielsweise die Preisvolatilität im Milchmarkt wirksam eingedämmt werden.

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