10.03.2013 09:25
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
BDM will freiwilligen Produktionsverzicht für Milchproduzenten
Seine Forderung nach Einführung eines freiwilligen Produktionsverzichts gegen Ausfallentschädigung als zusätzliches Kriseninstrument im Milchmarkt hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) bekräftigt.

„Die Erfahrungen in den Milchkrisen 2009 und 2012 haben gezeigt, dass die bisher vorhandenen Instrumente Krisen allenfalls abmildern, aber nicht wirksam bekämpfen können“, erklärte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber vergangene Woche bei einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Warburg. Er widersprach zugleich der Einschätzung, mit dem freiwilligen Produktionsverzicht werde die Bedienung einer weltweit steigenden Lebensmittelnachfrage gefährdet.

Nur zeitlich begrenzt

Schaber argumentierte, ein Produktionsverzicht komme als Kriseninstrument nur zeitlich begrenzt und in einer Situation zum Einsatz, in der das Angebot die Nachfrage übersteige und Abnehmer für die Milch allenfalls zu Dumpingpreisen zu finden seien. Zudem heize nicht der freiwillige Produktionsverzicht den Strukturwandel in der Milchproduktion an, sondern „die zu niedrigen Milchpreise, die Zunahme der Marktkrisen und die fehlende Perspektive eines stabilen Einkommens nach dem Quotenausstieg 2015.“

Unterdessen bezifferte Karin Jürgens vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft die Produktionskosten für den Oktober 2012 in Norddeutschland auf durchschnittlich 43,03 Cent/kg (52 Rp./kg). Demgegenüber habe der Auszahlungspreis in dieser Zeit lediglich bei 32,5 Cent/kg (39,7 Rp./kg) gelegen, sagte Jürgens.

Biogaserzeugung lässt Pachtpreise steigen

Carsten H. Emmann von der Universität Göttingen wies auf der AbL-Tagung darauf hin, dass der starke Zubau von Biogasanlagen seit 2005 erheblich zum Anstieg der Pachtpreise für Ackerflächen im Bundesland Niedersachsen beigetragen habe. Die Vergütung für den Strom aus Biogasanlagen sei so lukrativ, dass es zu einer Verdrängung von bestimmten Ackerfrüchten wie etwa Stärkekartoffeln, aber auch des Futterbaus für die Milchviehhaltung und die Bullenmast gekommen sei, so der Wissenschaftler.

Seinen Ausführungen zufolge hat der zunehmende Maisanbau für die Biogasanlagen negative volkswirtschaftliche Effekte, weil arbeitsintensive Produktionszweige wie die Milcherzeugung von der weit weniger arbeitsintensiven Biogaserzeugung verdrängt würden. Für die anstehende Novelle des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) empfiehlt der Agrarökonom, die Anreize so zu setzen, dass Biogas aus Gülle statt aus Mais erzeugt werde.

Weidehaltung rechnet sich

Nach Darstellung von Lucas Kiefer von der Universität Hohenheim kann es für Milchviehbetriebe in Grünlandregionen wirtschaftlich sinnvoll sein, ihre Kühe im Sommer ganztägig auf der Weide grasen zu lassen. Das gelte besonders dann, wenn der Betrieb ökologisch wirtschafte, weil damit ein deutlich höherer Milchpreis erzielt werde. Weitere Erfolgsfaktoren seien ein optimales Fruchtbarkeitsmanagement sowie ein reduzierter Einsatz von Kraftfutter.

Den Zusammenhang von Milchqualität und Fütterung der Kühe stellte Ton Baars vom Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft (FibL) heraus. Eine Fülle von Studien belege mittlerweile, dass die Fütterungmit Gras und Heu zu einem signifikant höheren Gehalt in der Milch an bestimmten gesundheitsfördernden Fettsäuren führe. Weitere Studien wiesen auf einen positiven Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Rohmilch und einer höheren Immunität gegen Asthma und Allergien wie Heuschnupfen hin.

Laut Baars ist die Analytik der Milch heute so weit fortgeschritten, dass es möglich wäre, die Milch anhand ihrer Fettsäuremuster und -gehalte differenziert zu bezahlen, um etwa Weidemilch über höhere Marktpreise zu fördern.

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