20.06.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Geldpolitik
Behutsame Zinserhöhungen
EZB-Präsident Mario Draghi hat ein behutsames Vorgehen bei einer künftigen Zinsanhebung angekündigt. «Wir werden geduldig bleiben, was die Bestimmung des Timings unserer ersten Zinserhöhung betrifft und wir werden danach schrittweise vorgehen bei der Anpassung der Geldpolitik», sagte der Italiener am Dienstag.

Am Geldmarkt würden diese Erwartungen weitgehend widergespiegelt. Derzeit wird dort mit einer ersten Anhebung des Einlagensatzes im September 2019 gerechnet. Dieser liegt aktuell bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank über Nacht Geld parken.

Hilfe der Geldpolitik

Die Euro-Wächter stellten am Donnerstag auf ihrer auswärtigen Ratssitzung in Riga in Aussicht, ihre Schlüsselzinsen noch mindestens bis Sommer 2019 auf dem aktuell niedrigen Niveau zu belassen. Zudem sollen die grossangelegten Anleihenkäufe zum Jahresende 2018 eingestellt werden. Dann werden die vor allem in Deutschland umstrittenen Transaktionen ein Volumen von 2,6 Billionen Euro erreicht haben.

«Unsere jüngste einstimmige Entscheidung stellt sicher, dass die notwendige geldpolitische Hilfe bestehen bleibt», sagte Draghi auf einer Notenbank-Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra. Nach dem Ende der Anleihenkäufe würden die Entwicklung der Schlüsselzinsen und der Zinsausblick die Hauptinstrumente zur Ausrichtung der Geldpolitik sein.

Inflation von 2%

Die Notenbank sei bereit alle ihre Mittel anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Inflation auch weiter auf die Zielmarke von knapp zwei Prozent zusteuere, die sie als Idealwert für die Wirtschaft ansieht. Im Mai lag die Inflationsrate bei 1,9 Prozent. Für das Jahr 2020 erwarten die Notenbank-Ökonomen eine Teuerung von 1,7 Prozent.

«Entscheidend ist, dass die Inflationserwartungen gut verankert bleiben», sagte Draghi. «Hier sehen wir einige positive Zeichen.» Der EZB-Präsident verwies dabei auf die jüngsten längerfristigen Prognosen von professionellen Beobachtern der EZB-Geldpolitik. Diese sehen für das Jahr 2022 eine Inflation von 1,9 Prozent vor. Es gebe zunehmende Anzeichen, dass das breite Wirtschaftswachstum allmählich eine positive Preisdynamik erzeuge, sagte Draghi.

Gefahr durch Protektionismus

Den Ausblick gefährden kann nach Einschätzung des EZB-Präsidenten eine Zunahme von Protektionismus im Welthandel, ein durch Spannungen im Nahen Osten ausgelöster Ölpreisanstieg und anhaltende Schwankungen an den Finanzmärkten. «Wir werden diese Entwicklungen weiterhin genau beobachten.» Der Handelskonflikt der USA mit China hatte sich zuletzt weiter verschärft.

US-Präsident Donald Trump hatte am Montag angekündigt, neue Zölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Milliarden Dollar zu verhängen, sollte die Regierung in Peking Vergeltungszölle für frühere US-Importauflagen umsetzen.

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