22.05.2018 08:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Bioraffinerie verärgert Bauern
In Frankreich hat die grösste Bioraffinerie des Landes die Betriebserlaubnis erhalten und damit Kontroversen ausgelöst. Im Werk wird auch Palmöl verarbeitet. Französisches Rapsöl werde dafür geopfert, kritisieren Bauern.

Die nordöstlich von Marseille gelegene Anlage „La Mède“ wird von dem Mineralölunternehmen Total S.A. betrieben und soll Unternehmensangaben zufolge jährlich 500'000 t Biodiesel produzieren und dafür bis zu 650'000 t Rohstoffe verarbeiten. Genehmigt sind dafür laut Total bis zu 450'000 t Pflanzenöle sowie ein Anteil von bis zu 40% an tierischen Fetten, Altspeise- und Restölen. 

„Ökonomischer und ökologischer Unsinn“

Nach der Erteilung der Betriebserlaubnis am vergangenen Mittwoch griff der Verband der Ölsaaten- und Leguminosenproduzenten (FOP) Umweltminister Nicolas Hulot scharf an und sprach von einem „Schlag ins Gesicht der französischen Bauern“. Der Minister habe zugestimmt, dass die Raffinerie Biokraftstoffe aus Palm- und Altöl herstellen dürfe und damit dem Import von Palmöl und der damit einhergehenden Entwaldung in den Herkunftsländern Vorschub geleistet. 

Die französische Rapsproduktion, die Grundlage für einen rückverfolgbaren Biokraftstoff „Made in France“ sei, werde „geopfert“. FOP-Präsident Arnaud Rousseau bezeichnete die Entscheidung als „unverständlich“ und „ökologischen Unsinn“. Die Regierung wende sich von den Landwirten ab, die eine solche Geringschätzung nicht verdient hätten. Der französische Bauernverband (FNSEA) pflichtete der FOP bei. Die Verwertung von importiertem Öl entziehe den heimischenBauern eine nachhaltige Absatzmöglichkeit und sei „ökonomischer und ökologischer Unsinn“. 

250 Arbeitsplätze

Der Umweltminister verwies auf den ökologischen Nutzen der Bioraffinerie, die den Weg zu einer Kreislaufwirtschaft ebne. Im Übrigen sei das Projekt im Jahr 2015 entschieden worden, nicht zuletzt um vor Ort 250 Arbeitsplätze zu erhalten. Hulot erklärte, er stehe im Dialog mit Total, um die Nachhaltigkeit der eingesetzten Rohstoffe und die Verringerung der Palmölmengen sicherzustellen. 

Im Übrigen habe das Unternehmen 275 Mio Euro in die Bioraffinerie investiert, und zwar auch auf Betreiben der damaligen Regierung. Indes gab Total bekannt, die Versorgung mit Rohpalmöl auf maximal 300'000 t pro Jahr beschränken zu wollen. Zudem sei zu erwarten, dass der Anteil an tierischen Fetten, Altspeise- und Restölen mit deren Verfügbarkeit steigen werde.

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