22.05.2018 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Ukraine
Bodenverkaufsverbot hindert Bauern
Nach Einschätzung des Weltbank-Beraters Denis Nizalow von der Kiev School of Economics können die ukrainischen Landwirte das eigentlich extrem hohe Wertschöpfungspotential ihrer Böden kaum nutzen, weil sie wegen des 2001 eingeführten Bodenverkaufsmoratoriums immer noch auf Pachtland wirtschaften müssen.

Deshalb investierten sie nicht in mehrjährige Kulturen mit höherer Wertschöpfung und erzielten im internationalen Vergleich nur niedrige Ernteerträge, schrieb der Experte kürzlich in der ukrainischen Online-Zeitung Economichna Pravda. 

„So wie niemand Geld in die teure Reparatur einer Mietwohnung steckt, wird niemand in das Land eines anderen investieren“, erklärte Nizalow. Deshalb verschwänden jedes Jahr etwa 30 Dörfer von der Landkarte der Ukraine. Die negativen Folgen dieser Politik für den ukrainischen Aussenhandel und den Staatshaushalt seien enorm, hob der Fachmann hervor. Deshalb gelte es, den Widerstand korrupter und oligarchischer Interessensgruppen gegen die Aufhebung des Moratoriums zu brechen. 

Die Agrarlandpreise in der Ukraine dürften bei einer Aufhebung des noch bis zum 1. Januar 2019 geltenden Moratoriums kräftig steigen. So prognostiziert die Institution für dieses Szenario eine Verteuerung der Hektarpreise von derzeit schätzungsweise 1'000 USD (997 Fr.) bis 1'500 $ (1'495 Fr.) auf 3 000 $ (2'990 Fr.) bis 3 500 USD (3'489 Fr.). Wie die Weltbank-Direktorin für die Ukraine, Weissrussland und Moldawien, Satu Kahkonen, gegenüber der Presse Anfang Mai kritisierte, verzögert die Kiewer Regierung absichtlich die Öffnung des Bodenmarktes, um nicht Stimmen für die im Herbst 2019 anstehenden Wahlen zu verlieren. 

In der Ukraine gebe es rund 6,9 Millionen Grundbesitzer. Davon verpachteten zwei Drittel ihr Land. Dabei erhielten sie die niedrigsten Pachtpreise in Europa, obwohl die ukrainischen Böden zu den besten der Welt zählten. Die Weltbank stelle dem Land im Falle der Aufhebung des Moratoriums mehr finanzielle Unterstützung in Aussicht, erklärte Kahkonen.

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