8.01.2019 11:15
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Grossbritannien
Brexit: Farmer verunsichert
In wenigen Wochen kommt es zum Brexit. Die Farmer möchten deshalb so früh wie möglich Gewissheit über ihre Zukunft haben. Der britische Agrarminister zeigt Verständnis für Sorgen der Landwirte

Verständnis für die Sorgen der heimischen Farmer angesichts des bevorstehenden Brexits hat der britische Landwirtschaftsminister Michael Gove gezeigt. Er verstehe, dass die Agrarbranche so früh wie möglich Gewissheit über ihre Zukunft haben wolle, erklärte Gove vergangene Woche auf der „Oxford Farming Conference“. 

Siebenjähriger Übergang

Nach seiner Auffassung gibt es für die britische Landwirtschaft eine „Welt der Möglichkeiten“, wenn „wir vorbereitet sind, die Chancen aus politischen Reformen und umfassender technologischer Entwicklung anzunehmen“. Der Minister erinnerte daran, dass es nach der 21-monatigen Übergangszeit, wie sie im Brexit-Abkommen ausgehandelt worden sei, noch einen siebenjährigen Übergang für die Landwirtschaft geben solle. Auf diese Weise solle den Farmern Planungssicherheit gegeben werden. Zudem habe die Regierung Vorschläge über die künftige finanzielle Unterstützung der Landwirte vorgelegt. Die Mittel seien für die Zukunftsgestaltung der Betriebe gedacht. 

Die Präsidentin des britischen Bauernverbandes (NFU), Minette Batters, fand indes deutliche Worte im Hinblick auf den bevorstehenden Brexit. Sie forderte die Londoner Regierung auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, damit in Grossbritannien eine stabile, rückverfolgbare und bezahlbare Nahrungsmittelversorgung auch nach dem Austritt aus der EU gewährleistet sei. Nun sei es Zeit für die Regierung, Entscheidungen zu treffen und einen ungeordneten EU-Austritt zu vermeiden.

Riesengrosse Ungewissheit

Bereits im Vorfeld der „Oxford Farming Conference“ hatte Batters kritisch angemerkt, dass es für die Landwirte genügend warme und beruhigende Worte gegeben habe. Nun sei es „Zeit für Entscheidungen“ seitens der Regierung, wie die Lebensmittelproduktion sichergestellt werden solle. „Wir sind weniger als 90 Tage vom Brexit entfernt und es gibt noch eine riesengrosse Ungewissheit über die Zukunft“, so die NFU-Präsidentin. Der Verband befürchtet massive Einbussen beim Agrarexport, unter anderem bei der Ausfuhr von Rind- und Schaffleisch. Auch könnten für die Landwirtschaft wichtige Importe betroffen sein und sich verteuern.

Laut NFU werden beispielsweise mehr als 90% der in Grossbritannien verwendeten Tiermedikamente eingeführt. Batters hob hervor, dass Grossbritannien weltweit führend bei der Lebensmittelproduktion in Bezug auf Sicherheit, Rückverfolgbarkeit, Umweltschutz und Tierwohl sei. Daher sei es wichtig, dass die Regierung sich intensiv mit dem Sektor auseinandersetze, um eine nachhaltige, wettbewerbsfähige und profitable Agrarbranche auch für die nächsten Generationen zu sichern.

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