19.06.2020 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Handel
Britische Farmer warnen vor No Deal
Sollten die Gespräche über ein Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich scheitern, gelten ab dem 1. Jänner 2021 die Einfuhrzölle der Welthandelsorganisation (WTO).

Diese liegen für Fleisch und Milchprodukte über 30%. Sarah Baker vom britischen Analysebüro AHDB schätzt, dass die Einführzölle die Preise für Rindfleisch im Vereinigten Königreich um 22% anheben werden und die Preise für Schweinefleisch um 17%.

"No Deal" Katastrophe

Da die Briten ohne Handelsvertrag mit der EU ihre Lammfleischhälften kaum noch mit Gewinn in der EU verkaufen können, rechnet Baker mit einem Fall der Preise für Schaffleisch um 25% im Vereinigten Königreich. Der "No Deal" wäre eine Katastrophe, warnte folglich die britische Bauernverbandspräsidentin Minette Batters auf einem Videoempfang mehrerer dänischer Agrarverbände in Brüssel.

Der britische Premierminister Boris Johnson, EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel hielten in dieser Woche in einem Telefongespräch fest, dass die Verhandlungen auf der Stelle treten und die Dynamik in den Gesprächen im Juli deutlich erhöht werden muss. Sollte im Herbst das Handelsabkommen nicht stehen, werde das Vereinigte Königreich aus dem EU-Binnenmarkt austreten, stellte Johnson klar. 

Überzogene Forderungen

Die EU habe überzogene Forderungen an gemeinsame Standards für Lebensmittel, erklärte Katrina Williams, stellvertretende EU-Botschafterin des Vereinigten Königreichs, auf dem Videoempfang der dänischen Agrarverbände. Ihr Land werde die Standards zwar keinesfalls aufweichen, beteuerte die Botschafterin, aber das Vereinigte Königreich sei als souveränes Land nicht bereit, einfach die Standards der EU festzuschreiben. So etwas gebe es in keinem Freihandelsabkommen, pochte Williams auf die britische Souveränität. 

Harry Smit von der Rabobank berichtete, die Anforderungen des britischen Lebensmittelhandels seien in der Praxis manchmal wichtiger als die staatlichen Vorgaben. So erfüllte Kanada kaum die Anforderungen der britischen Supermärkte für Schweinefleisch, zum Beispiel beim Tierschutz. Für die Lieferanten der EU stellten die privaten britischen Label für Schweinefleisch folglich einen Schutz vor der Konkurrenz dar, meint Smit. 

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