23.02.2018 13:57
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Frankreich
Camembert: Konzerne setzen sich durch
Der «Camembert-Krieg» in Nordfrankreich ist offiziell beendet: Kleine Hersteller und grosse Milchkonzerne legten ihren zehnjährigen Streit über den beliebten Weichkäse bei.

Sie einigten sich demnach auf abgeschwächte Vorgaben für die Produktion, wie das französische Amt für Gütesiegel (INAO) am Donnerstagabend mitteilte. Ein echter Camembert muss künftig nicht mehr zwingend aus Rohmilch hergestellt werden - so lautet der Kompromiss. Käsekonzerne wie der französische Gigant Lactalis können damit auch pasteurisierte Milch einsetzen. Im Gegenzug verpflichten sich die industriellen Hersteller, mindestens 30 Prozent normannischer Kühe einzusetzen, die auch auf Weiden der Region grasen.

Ab 2021 soll es nur noch ein einziges Logo für Camembert geben. Die Milchkonzerne vertrieben ihren Weichkäse bisher mit dem Werbespruch «In der Normandie hergestellter Camembert». Das erzürnte die kleinen Traditionsbetriebe, die ihren Käse unter der Ursprungsbezeichnung (AOP) «Camembert aus der Normandie» vermarkten. Die EU macht dafür deutlich strengere Auflagen.

Von einem faulen Kompromiss spricht der Verband Fromage des terroirs (Käse der Region). Er fürchtet, das neue Gütesiegel führe den Weissschimmelkäse in die «Mittelmässigkeit». Künftig seien neun von zehn Camemberts aus Frankreich «pasteurisiert und industriell, eine Fliessbandware wie andere ordinäre Produkte», beklagte der Verband.

Wer den ursprünglichen Camembert geniessen will, muss auf der Verpackung ganz genau hinschauen: Rohmilch-Käse nach traditioneller Herstellung soll nach der Einigung mit einem Zusatz wie «echt» oder «authentisch» gekennzeichnet werden.

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