16.02.2017 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Freihandel
Ceta: Gegner geben nicht auf
Sieben Jahre haben die Europäische Union und Kanada über ihr bilaterales Freihandelsabkommen Ceta verhandelt, bis der Text Ende Oktober unterzeichnet werden konnte. Nun ist mit der Zustimmung im Europaparlament eine weitere wichtige Etappe abgeschlossen. Doch weitere Hürden bleiben.

Nach der Zustimmung kann der Rat der 28 EU-Staaten den Teil des Abkommens, der ausschliesslich unter die EU-Kompetenz fällt, vorläufig umsetzen, was im April passieren soll. Handelserleichterungen für beide Seiten können damit rasch greifen. Noch nicht in Kraft treten hingegen die besonders umstrittenen neuen Schiedsgerichte zur Streitschlichtung. Bei Problemen müssten die EU und Kanada vorerst direkt miteinander Lösungen suchen.

Bis 25 Prozent mehr Handel


Die Europäische Kommission verspricht sich von dem Abkommen einen Zuwachs des Handels mit Kanada - das derzeit auf Platz zwölf der EU-Handelspartner steht - um etwa 25 Prozent. Damit würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU nach Berechnungen der Kommission jährlich um rund 14 Milliarden Euro steigen. Gemessen am gesamten BIP der EU, das 2015 bei rund 14,6 Billionen Euro lag, ist der Zuwachs allerdings relativ gering.

Doch für EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström geht es um mehr. Ceta sei «der fortschrittlichste» Freihandelsvertrag, den die EU jemals abgeschlossen habe, betont die Schwedin unermüdlich. Er solle als Vorbild für künftige Abkommen dienen. Gerade angesichts der protektionistischen Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump seien solche Verträge wichtiger denn je.

Gefährdet Landwirtschaft

Der angekündigte Abschottungskurs der USA unter Trump gebe Anlass, «faire Regeln durchzusetzen», sagt auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf. «Europa darf Protektionisten nicht das Feld überlassen». Solche Argumente überzeugen viele Gegner des Abkommens, darunter die globalisierungskritische Organisation Attac und zahlreiche Umweltschutzverbände, freilich nicht.

Für sie begünstigt Ceta vor allem multinationale Unternehmen, gefährdet die europäische Landwirtschaft und bedroht Arbeitnehmerrechte sowie Umwelt- und Verbraucherschutz. Sie verweisen auch auf eine Studie der US-Universität Tufts nahe Boston. Demnach wird Ceta keine neuen Jobs schaffen sondern im Gegenteil rund 230'000 Arbeitsplätze zerstören, davon 200'000 in der EU.

Ceta-Gegner geben nicht auf

Ceta sei eine «Blaupause für eine neue Generation von Freihandelsabkommen», die in die falsche Richtung gingen, kritisiert der Finanzexperte der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold: Ziel sei eine globale Öffnung der Märkte ohne «starke, soziale, ökologische und demokratische Regeln». Dass viele Bürger diese Bedenken teilen, zeigt eine Petition gegen Ceta, die von einem Bündnis aus mehreren hundert Organisationen lanciert und nach dessen Angaben von 3,5 Millionen Menschen unterzeichnet wurde.

Die Ceta-Gegner wollen auch nach dem Votum des Europaparlaments nicht aufgeben. Denn das Abkommen ist noch lange nicht in trockenen Tüchern - es muss noch von den 38 nationalen und regionalen Parlamenten in den EU-Staaten ratifiziert werden. Dass es dabei neue Stolpersteine geben kann, hat im Oktober die belgische Region Wallonie vorgeführt. Deren Regionalparlament stimmte zunächst gegen das Abkommen und setzte so einige Nachbesserungen durch.

Die Ceta-Kritiker hoffen, dass andere Parlamente diesem Beispiel folgen. Als unsicher gilt die Zustimmung derzeit in Österreich, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Eine besonders hohe Hürde muss Ceta zudem in den Niederlanden nehmen, wo eine Volksabstimmung darüber geplant ist.

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