6.02.2019 15:45
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Deutschland
D: Staatliches Tierwohl-Kennzeichen
Das deutsche Landwirtschaftsministerium hat heute das staatliche Tierwohl-Kennzeichen vorgestellt. Es soll Konsumenten eine bessere Orientierung ermöglichen.

Die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat heute die Kriterien für das neue staatliche Tierwohl-Kennzeichen der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieses gilt zunächst für Schweine, soll später aber ausgeweitet werden. Das staatliche Kennzeichen ist freiwillig, soll den Konsumenten ein Mehr an Tierwohl anzeigen und den Tieren Verbesserungen bringen – von der Geburt bis zur Schlachtung. 

Betriebe, die das Kennzeichen einsetzen, müssen höhere Tierschutzanforderungen erfüllen, die über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen. Dazu gehören etwa: Mehr Platz für die Tiere im Stall, mehr Beschäftigung und Raufutter. Detaillierte Bestimmungen finden sich auf bmel.de. Die grosse Mehrheit der Konsumenten sei bereit, mehr für Lebensmittel zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten würden, teilt das deutsche Landwirtschaftsministerium mit.

Das Kennzeichen soll «überprüfbare, anspruchsvolle» Kriterien vorgeben, die die freiwillig teilnehmenden Bauern einhalten müssen. In der ersten Label-Stufe sollen Schweine demnach 20 Prozent mehr Platz im Stall haben als gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet zum Beispiel für ein Tier mit 50 bis 110 Kilogramm 0,9 statt 0,75 Quadratmeter.

Weitere Vorgaben beziehen sich unter anderem auf Auslauf sowie Stroh, Heu oder Sägespäne als Beschäftigungsmaterial statt vielfach üblicher Ketten und Plastikbälle. Ferkel sollen mindestens 25 Tage statt wie gesetzlich vorgeschrieben mindestens 21 Tage Säugezeit bei der Mutter haben. Transporte zum Schlachthof dürfen demnach höchstens acht Stunden dauern - gesetzlich zulässig sind bis zu 24 Stunden. 

Es gibt auch Kritik. Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte, die erste Label-Stufe sei «Konsumententäuschung» und verdiene den Namen Tierwohl nicht. Grundfehler sei die Freiwilligkeit, sodass die Mehrzahl der Schweine aussen vor bleibe. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte: «Wir brauchen kein weiteres Wischi-Waschi-Label, sondern eine verbindliche und verständliche Kennzeichnung.»

Schon vor dem Start des staatlichen Logos 2020 wollen mehrere Supermarktketten im April eine eigene Fleisch-Kennzeichnung zur Haltungsform starten. Das vierstufige System beginnt aber bereits mit dem gesetzlichen Standard.

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