12.10.2020 18:30
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Deutschland
D: Stimmung bei Bauern schlecht
Nach den Ergebnissen des DBV-Konjunkturbarometers Agrar für den Monat September hält die schlechte Stimmungslage in der deutschen Landwirtschaft an. Ursachen sind die ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, hält die Ergebnisse dieser repräsentativen Umfrage für besorgniserregend: "Corona, Ernteeinbussen und nun auch noch die Schweinepest sind eine sehr gefährliche Mischung für unsere Betriebe, die den Strukturwandel noch einmal deutlich beschleunigen könnte."

Investitionsfreude gesunken 

Der Indexwert des Konjunkturbarometers Agrar fällt aktuell mit 12,3 noch etwas schlechter aus als in der Befragung vom Juni 2020 (15,8). Der Indexwert bildet die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die künftige Situation ab.

Die Investitionsplanungen der Landwirte für die kommenden sechs Monate liegen weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Nur 31% der Betriebe wollen in dieser Zeit investieren. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 5 Mrd. Euro (5,37 Mrd. Fr.) um 0,1 Mrd. Euro unter dem entsprechenden Vorjahresstand. 

Alarmsignal für die Politik

Rückläufig sind vor allem Investitionen in Tierwohl fördernde Ställe einschließlich Hof- und Stalltechnik. Dafür sind im nächsten halben Jahr nur 2,3 Mrd. Euro (2,47 Mrd. Fr.) an Investitionen vorgesehen, um 0,3 Mrd. Euro (0,32 Mrd. Fr.) weniger als im Vorjahr. "Dieser Befund muss ein Alarmsignal für die Politik sein", mahnt Rukwied.

"Der viel beschworene Umbau der Tierhaltung und vor allem mehr Tierwohl können ohne Investitionen nicht gelingen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier weit auseinander. Dazu kommt, dass neben einer faktischen bau- und genehmigungsrechtlichen Blockade solcher Bauvorhaben auch das Vertrauen in verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Tierhaltung fehlt. Der aktuelle Stillstand bei der Baurechtsnovelle bremst Investitionen in noch mehr Tierwohl aus und verschärft das Problem zusätzlich", gibt Rukwied zu bedenken. 

Liquiditätslage angespannt 

Die Liquidität der Höfe hat sich seit Dezember 2019 kaum verändert. Im September 2020 gaben 15% der Betriebe an, dass ihre Liquiditätslage angespannt oder sehr angespannt ist. Besonders hoch ist dieser Anteil unter den Veredelungsbetrieben (20%) und in den Betrieben im Osten Deutschlands (27%). Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 3,1 ähnlich ungünstig beurteilt wie die künftigen Aussichten mit einem Wert von 3,2. 

Während Veredelungsbetriebe wegen der ASP-bedingten Marktauswirkungen eine erhebliche Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage beklagen und auch Futterbetriebe eine gewisse Beeinträchtigung ihrer Situation sehen, schätzen Ackerbaubetriebe ihre Lage etwas günstiger ein als noch im Juni. Die Zukunftserwartungen sind in allen Betriebsformen wenig optimistisch. 

Corona hinterlässt Spuren

Die Corona-Krise hinterlässt ihre Spuren auch in der Landwirtschaft, auch wenn die unmittelbare Betroffenheit im Laufe des Jahres deutlich abgenommen hat. Aktuell fühlen sich 8% der befragten Landwirte von der Corona-Krise in ihrem Wirken eingeschränkt (März: 11%) und 18% wollen ihre geplanten Investitionen deswegen auf unbestimmte Zeit verschieben (März: 26%).

Nur noch 25% der Betriebe teilen die Einschätzung, dass mit der Corona-Situation die Landwirtschaft wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft bekommen wird. In der März-Erhebung waren es noch 46%. Rund 44% der Landwirte sind dagegen der Meinung, dass durch das Virus die Sorgen und Nöte der landwirtschaftlichen Betriebe aus dem Blick geraten könnten. 

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