11.09.2014 11:35
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Sturmwarnung für den Milchmarkt
Die MEG Milch Board hat ihre Mitglieder vor unruhigen Zeiten am Milchmarkt und einem weiteren Auseinanderlaufen der Erlös-Kosten-Schere gewarnt.

Anlass waren die vergangene Woche veröffentlichten Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL), nach denen sich die durchschnittlichen Produktionskosten der Milchproduzenten im Deutschland von Januar bis April um 0,79 Cent auf 45,95 Cent (55,6 Rp.) je Kilogramm Rohmilch erhöht haben, während der Milchpreis im gleichen Zeitraum um 0,86 Cent auf 40,60 Cent/kg (49,1 Rp./kg) gesunken ist. Zur Kostendeckung hätten den Milchviehhaltern somit 5,35 Cent/kg (6,5 Rp.) oder 12 % gefehlt, teilte die MEG Milch Board mit.

Diskrepanz soll zunehmen

Der Vorsitzende der Milcherzeugerorganisation, Peter Guhl, befürchtet, dass diese Diskrepanz in den nächsten Monaten noch zunehmen wird: „Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, aber die Zeichen stehen auf Sturm.“ Alle bedeutenden Erzeugungsregionen hätten ihre Produktionsmengen massiv ausgeweitet. Allein für die EU betrage das Plus mehr als 5 % im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013. Mittelfristig sei auch kein Rückgang der Milchmengen zu erwarten, denn die Ställe seien voll mit Kühen und die Produzenten starteten mit guten Grundfuttervoraussetzungen in die Herbst-Winter-Saison.

Laut Guhl hat Europa in den vergangenen zwei Jahren davon profitiert, dass Regionen wie die USA oder Neuseeland witterungsbedingt einen Gang bei die Produktion zurückschalten mussten. Diese Situation habe sich nun aber geändert. „Wir gleiten aktuell wieder in einen Überschussmarkt hinein. Die Ukraine-Krise verschärft diese Entwicklung nun zusätzlich. Wir produzieren aktuell definitiv mehr als der Markt verträgt“, so Guhl.

Butterpreissenkung nicht überraschend

Für den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) kam die Anfang vergangener Woche erfolgte Preissenkung für ein 250-g-Päckchen Butter beim Discounter Aldi von 0,99 Euro auf 0,85 Euro (1,02 Fr.) nach eigenen Angaben nicht überraschend. Bereits seit Februar 2014 seien die Notierungen für Milchprodukte an den internationalen Märkten um mehr als 40 % abgestürzt, und auch am EU-Binnenmarkt habe der Preisverfall mit Abschlägen zwischen 20 % und 28 % schon vor Monaten eingesetzt.

Diese negative Entwicklung beginne sich nun zeitlich versetzt immer stärker auch auf die Entwicklung der Milchproduzentenpreise auszuwirken. Von Januar bis Juli 2014wurde laut BDM ein Rückgang um mehr als 10 % auf 37 Cent/kg (44,77Rp./kg) Milch im Bundesdurchschnitt verzeichnet. Für die kommenden Monate hätten einige Molkereien bereits weitere Preissenkungen angekündigt.

„Alarmierend ist die aktuelle Milchmarktentwicklung vor allem auch deshalb, weil das bestehende Sicherheitsnetz für den Fall einer Milchmarktkrise nicht ausreicht und sich die von der EU-Kommission angestossene Diskussion um die Neugestaltung des Sicherheitsnetzes nun schon fast ein Jahr im Kreis dreht“, kritisierte BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. Er rief auch die Agrarminister der Bundesländer auf, die Diskussion dazu „endlich ernsthaft“ anzugehen.

Monitoringstelle gefordert

In seiner Funktion als Vorsitzender des European Milk Board (EMB) bekräftigte Schaber seine Forderung an die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten nach Einführung von wirkungsvollen Krisenmassnahmen am Milchmarkt. „Wir haben schon im Allgemeinen eine kritische Lage in der EU. Im Besonderen wird der Milchmarkt nun aber aktuell noch durch den russischen Importstopp belastet“, betonte Schaber. Es sei deshalb notwendig, in der EU eine Monitoringstelle einzurichten, die die angebotenen Mengen steuere, damit ein kostendeckender Preis erreicht werden könne.

„Ohne diese agierende Monitoringstelle wird es in der Milchproduktion nicht möglich sein, angemessen auf jede Situation reagieren zu können“, warnte Schaber. Er sprach sich zudem dafür aus, in der gegenwärtigen Marktlage alle politischen Signale und Entscheidungen zu vermeiden, die einen zusätzlichen Produktionsanreiz böten. Damit spielte er auf die unter anderemvom Deutschen Bauernverband (DBV) geforderte Aussetzung der Fettkorrektur an, die eine Senkung der drohenden Superabgabe für das letzte Milchquotenjahr 2014/15 bewirken würde.

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