14.10.2019 17:29
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Demo: «Keine Zukunft ohne Bauern»
Rund 1000 Landwirtinnen und Landwirte haben am Montag in Bonn gegen die deutsche Regierung protestiert. Sie warfen der Politik vor, sie mit einer «masslosen Auflagenflut» zu überziehen. -> Mit Video

In Deutschland ist die Stimmung unter den Bauern mehrheitlich schlecht. Sie fühlen sich missverstanden. Und auch die immer neuen Auflagen setzen den Landwirten zu.

Gefahr für Familienbetriebe

Am Montag haben in Bonn rund 1000 Bauern unter dem Motto «Keine Zukunft ohne Bauern» gegen die Agrarpolitik der Regierung protestiert. «Es muss endlich Schluss sein mit der masslosen Auflagenflut», forderte der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands, Bernhard Conzen. Eine nachhaltige Landwirtschaft solle «in gegenseitigem Verständnis für das Notwendige und Machbare» gestaltet werden. «Alles andere bedroht die Existenz der bäuerlichen Familienbetriebe», warnte er.

Viele Landwirte fuhren mit ihren Traktoren zum Protest vor den Bonner Sitz des Landwirtschaftsministeriums. «Auflagenflut killt Bauernmut» oder «Redet mit uns statt über uns» stand auf den Schildern.

"Druck auf Bauern wächst stetig"

«Der politische Druck auf unsere Landwirtschaft wächst unentwegt – besonders das von den Ministerinnen Schulze und Klöckner beschlossene Agrarpaket hat das Fass zum Überlaufen gebracht», sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Hans-Heinrich Wortmann zur Deutschen Presse-Agentur (dpa). 

Dieses beinhaltet unter anderem Einschränkungen für den Einsatz von Glyphosat vor. Im Paket ist zudem mehr Geld für Umwelt- und Klimaschutz, ein freiwilliges Tierschutzlabel und ein Aktionsprogramm für den Insektenschutz festgehalte. Die Bauern befürchten Einbussen und bürokratische Hürden. Deshalb wurden in ganz Deutschland grüne Kreuze als Zeichen des Protests aufgestellt. 

Kritik und Zuspruch

Auch ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten machten den Bauern Sorgen. In Bonn forderten sie Nachbesserungen. Auch beim Thema Pflanzenschutz wünschen sie sich von der Politik mehr Rücksicht auf ihre Belange. 

Von Umweltverbänden bekamen die protestierenden Landwirte sowohl Zuspruch als auch Kritik. «Landwirte, die nachweislich Wasser, Boden und Klima schützen sowie die Artenvielfalt fördern, dürfen nicht draufzahlen», sagte Diana Pretzell von der Organisation WWF. Der Bund für Umwelt und Naturschutz kritisierte, bei vielen Entscheidungen seien es die Bauernverbände selbst, die Verbesserungen ausbremsten - etwa beim Schutz des Grundwassers vor Nitraten.

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