17.01.2013 15:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/lid
Deutschland
Deutsche Milchbauern: Grosse Schere zwischen Produktionskosten und Erlös
Deutsche Bauern haben im letzten Jahr durchschnittlich 31,50 Cent (37,8 Rp.) pro Kilogramm Milch erhalten. Die Kosten lagen aber deutliche höher. Die Daten der Studie sollen dazu dienen, die Position der Milchbauern in der Wertschöpfungskette zu verbessern.

Dies zeigt eine am Donnerstag zum Auftakt der Grünen Woche (Berlin) vom European Milk Board (EBM) und der deutschen Milcherzeugergemeinschaft (MEG) vorgestellte Studie. Solche Zahlen hätten bislang nicht existiert, heisst es in einer Medienmitteilung der beiden Organisationen.

Repräsentative Grundlage

Diese basiert zum einen auf Daten des InformationsNetzes Landwirtschaftlicher Buchführungen der Europäischen Kommission (INLB). Zudem wurden Preisindizes für landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Futter, Dünger, Saatgut und Energie vom Bundesamt für Statistik miteinbezogen, um die vorliegenden EU-Daten zu aktualisieren. Die Studie basiere auf eine zuverlässige, repräsentative und weitreichende Grundlage, schreiben EBM und MEG. Im Berechnungskonzept enthalten ist auch der Einkommensansatz, der die Arbeitsleistung der Betriebsleiter und Familienangehörigen kalkuliert.

Die Herstellung von einem Kilo Milch (4% Fett, 3,3% Eisweiss) schlug für Bauern im Norden Deutschlands mit 43,06 Cent (51,7 Rp.) zu Buche. Im Süden lagen die Kosten bei 51,03 Cent (61,2 Rp.) und im Osten bei 45,07 Cent (54,1 Rp.) je Kilogramm Milch. Beihilfen sind berücksichtigt respektive von den Gesamtkosten abgezogen.

Für weitere EU-Länder sollen die Kosten nach dem gleichen Konzept in den kommenden Monaten und Jahren berechnet werden. Das mache die Zahlen EU-weit miteinander vergleichbar, heisst es weiter.

Stellung der Bauern verbessern

Die ermittelten Kosten der Milchproduktion zeigten, dass die erzielten Preise nicht kostendeckend seien. Denn im 2012 hätten die Bauern lediglich durchschnittlich 31,50 Cent (37,8 Rp.) pro Kilogramm Milch erhalten. Das EMB fordert nun, dass die Politik die Daten nützt und eine EU-Monitoringstelle realisiert. Die kalkulierten Kosten sollen als Grundlage für die Errechnung eines fairen Milchpreises dienen. Mittels flexibler Mengenanpassungen könne die "Stellung der Produzenten in der Wertschöpfungskette tatsächlich verbessert werden", heisst es weiter.

Dies sei heute nicht der Fall. Um kostendeckend zu arbeiten, sei ein Auszahlungspreis von 50 Cent (60 Rp.) je Kilogramm Milch erforderlich. Dieser lag 2011 in Deutschland lediglich bei 31,5 Cent/kg (37,8 Rp.). Die Kosten der Milchproduktion sollen künftig vierteljährlich aktualisiert werden. Dies soll als Grundlage zur Berechnung eines fairen Milchpreises dienen.

Gleichwertige Verhandlungspartner

Wie MEG und EMB weiter ausführen, zeige die Studie den Milchbauern in "bisher nicht gekannter Deutlichkeit" auf, wo sie stehen und in welche Richtung sich der Markt bewegen müsse. Die Studie werde der von Politik initialisierte Richtungswechsel, Stärkung der Milchbauern in der Wertschöpfungskette, unterstützen. Die Prodzenten würden anhand dieser Daten nun zu gleichberechtigten Verhandlungspartnern.  

Man könne nur wie in der Wirtschaft üblich auf die Kostengrundlage zurückgreifen. "Die Bündelung der Milchbauern ist deshalb und gerade jetzt ein Gebot der Stunde. Je grösser der Bündelungsgrad, desto grösser wird die Schlagkraft des Gutachtens zu den Milchproduktionskosten sein", heben MEG und EMB hervor.

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