7.07.2020 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Österreich
«Die Alp ist kein Streichelzoo»
Das sogenannte Kuh-Urteil in Tirol hatte zu grosser Verunsicherung bei Österreichs Alpbauern, aber auch bei den Besuchern von Alpen geführt. "Dieses Urteil war für uns nicht nachvollziehbar", sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger.

«Wir haben daher schon im Vorjahr die Gesetzeslage geändert und die Eigenverantwortung der Gäste auf Alpen gesetzlich festgeschrieben», so die Ressortchefin mit Blick auf die jüngste "TikTok"-Challenge, wo Nutzer bewusst Kühe erschrecken und Eltern, die ihre Kinder auf Kühe zum Reiten setzen.

Aktionsplan 

«Ich appelliere an Vernunft und Hausverstand der Gäste. Die Almen sind Lebensraum der Tiere und Arbeitsplatz der Almbäuerinnen und -bauern. Ein gutes Miteinander ist nur möglich, wenn sich alle an die Regeln halten», so Köstinger. 

Im März 2019 hat die österreichische Regierung auf Initiative Köstingers, der Landwirtschaftskammern und des Alpenvereins folgenden Aktionsplan umgesetzt: Das Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) wurde geändert, um die Eigenverantwortung der Gäste auf den Almen niederzuschreiben. Es wurden Verhaltensregeln für Besucher erarbeitet. Die Bauern hat die Landwirtschaftskammer Leitlinien (z. B. für das Einzäunen, zum Aufstellen von Sicherheitstafeln etc.) erstellt. 

Einfache Verhaltensregeln

«Mit diesen Massnahmen haben wir Rechtssicherheit für die Bauern geschaffen und gleichzeitig auch die Eigenverantwortung der Gäste festgeschrieben», betont die Ministerin. «Jeder, der eine Alp besucht oder durchwandert, muss wissen: Das ist kein Streichelzoo und auch kein Abenteuerspielplatz. Es gibt klare und sehr einfache Verhaltensregeln, die sicherstellen, dass Mensch und Tier nicht gefährdet werden und die Almen weiterhin für Gäste geöffnet bleiben können. Auf der Seite www.sichere-almen.at sind die zehn Alm-Regeln zusammengefasst und auch in kurzen Videos anschaulich erklärt.» 

Derzeit gibt es in Österreich rund 8'000 bewirtschaftete Alpen, 25’000 landwirtschaftliche Betriebe treiben Vieh auf. 300’000 Rinder verbringen den Sommer auf den Alpen, dazu kommen noch 100’000 Schafe, 10’000 Pferde und 11’000 Ziegen.

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