30.05.2018 11:11
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Direktzahlungen bei 60'000 € kappen
Die grösseren landwirtschaftlichen Betriebe müssen sich möglicherweise auf stärkere Einschnitte bei den Direktzahlungen einstellen. Die Europäische Kommission plant weiterhin mit einer Obergrenze der Flächenprämien von 60'000 Euro (70'000 Fr.) pro Betrieb und Jahr.

Das geht aus einem noch vorläufigen und internen Entwurf der Brüsseler Behörde zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 hervor, der Agra-Europe vorliegt. Offiziell vorgestellt werden soll der Verordnungsentwurf durch EU-Agrarkommissar Phil Hogan am Freitag dieser Woche. Am 11. Juni soll der Entwurf dem Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments präsentiert werden.

Arbeitskosten berücksichtigen

Eine Kappungsgrenze von 60'000 Euro würde in Deutschland bei derzeitiger Flächenprämienhöhe bei einer Betriebsgrösse von etwa 230 ha greifen. Allerdings wäre bei Umsetzung der von der EU-Kommission angekündigten Etatkürzungen mit einer niedrigeren Flächenprämie pro Hektar zu rechnen. Dies würde die besagte Hektargrenze nach oben schieben.

Zudem ist vorgesehen, dass bei der Kappung noch die jeweiligen Arbeitskosten der Betriebe Berücksichtigung finden, so dass die Obergrenze nochmals spürbar höher ausfallen könnte. Durch die Aufrechnung der Arbeitskosten dürften die bei einer Kappung der Direktzahlungen zu erwartenden Einschnitte insbesondere für genossenschaftlich organisierte Betriebe beziehungsweise Mehrfamilienbetriebe mit Viehhaltung abgeschwächt werden.

Sicherstellung eines „Basiseinkommens“

Derweil geht aus dem Kommissionspapier auch hervor, dass „mindestens 60%“ der Agrarförderung der Ersten Säule zuzuschreiben sind. Demzufolge sollen diese Mittel als „Basiseinkommen“ den Landwirten zur Verfügung gestellt werden. Zum Vergleich: Im aktuellen EU-Haushaltsjahr liegt der Anteil der Ersten Säule bei etwa 76%. Zudem wird die Kommission - wie bereits zuvor angekündigt - eine weitere Angleichung der Höhe der Direktzahlungen zwischen den Mitgliedstaaten bis 2027 vorschlagen. 

Dem Entwurf zufolge sollen die Beihilfen in den Mitgliedsländern, wo die Prämien aktuell unterdurchschnittlich ausfallen, dann mindestens 90% des EU-Mittelwerts erreichen. Profitieren würden davon vor allem die drei baltischen Staaten. Die Landwirte in Deutschland, aber auch in Frankreich, den Niederlanden und in Österreich, die bislang überdurchschnittlich hohe Zahlungen pro Hektar erhalten haben,müssten zugunsten ihrer Berufskollegen in den osteuropäischen Ländern zurückstecken. 

Kritik von Bauernverbänden

Derweil bekräftigte der Generalsekretär der EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA), Pekka Pesonen, seine Kritik an den geplanten EU-Agrarhaushaltskürzungen. Erneut wies der Finne darauf hin, dass die Landwirte ohnehin nur 40% des durchschnittlichen Einkommens in der EU erzielten.Daher sei eine Kürzung des Agraretats „inakzeptabel“. Hiervon wären zudem auch und gerade die Agrarumweltprogramme betroffen, gab Pesonen zu bedenken.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE