5.10.2016 08:10
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Drosselprämie: 2'848 Euro pro Antragssteller
Das von der Europäischen Kommission aufgelegte Programm zur Reduzierung der Milchmengen ist von den Landwirten sehr gut angenommen worden und bereits nach der ersten Antragsrunde nahezu komplett ausgeschöpft. Aktuellen Zahlen zufolge wollen 51'101 Milchbauern aus 27-EU-Ländern im Zeitraum von 1. Oktober bis 31. Dezember 2016 ihre Produktion gegenüber dem Vorjahresquartal um insgesamt 1,06 Mio. t Milch verringern.

Bei einem Budget von 150 Mio. Euro (164 Mio. Fr.) und einer „Drosselprämie“ von 0,14 Cent (15.3 Rp.) je Kilogramm reicht die finanzielle Ausstattung der Massnahme rechnerisch für eine „Nicht-Produktion“ von 1,07 Mio t Milch, wenn keine Abzüge erfolgen sollen.

EU-Agrarkommissar zuversichtlich


Für die am vergangenen Freitag gestartete zweite Antragsrunde mit dem Reduzierungszeitraum 1. November 2016 bis 31. Januar 2017 stehen somit nur noch 11'407 t Milch zur Verfügung. Werden grössere Mengen beantragt, kommen Kürzungskoeffizienten für die Menge zur Anwendung. EU-Agrarkommissar Phil Hogan freute sich über die rege Teilnahme an „dem attraktiven und zugleich erfolgreichen“ Programm.

Er sei zuversichtlich, dass diese Maßnahme zusammen mit den anderen Instrumenten des zweiten Hilfspaketes den Milchmarkt weiter stabilisieren werde. Es gebe Anzeichen für eine Markterholung, vor allem bei den Notierungen für Milcherzeugnisse, doch müsse sich dies auch in steigenden Milcherzeugerpreisen niederschlagen.

Die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) begrüssten die rege Teilnahme am EU-Programm. Sie wiesen gleichzeitig darauf hin, dass von 2007 bis 2015 die Milchproduktion in Neuseeland um 36% und in den USA um 12% gestiegen sei, in der EU dagegen nur um 10%. Der Vorsitzende des COPA/COGECA-Milchausschusses, Mansel Raymond, forderte die EU-Kommission auf, auch mehr für den Rindfleischmarkt zu tun, der ebenfalls unter den Folgen der Verwerfungen im Milchsektor leide.

Unterschiedliches Interesse in den EU-Staaten


In Deutschland haben laut Angaben der EU-Kommission 9'947 Landwirte einen Antrag auf Reduzierung ihrer Milchmengen eingereicht. Die geplante Drosselung beläuft sich auf 286'049 t. Nur in Frankreich gab es mit 12'957 Milchbauern mehr Bauern, die an dem Programm teilnehmen wollen. Allerdings kommen diese zusammen lediglich auf eine Antragsmenge von 181 398 t. Auf dem dritten Platz liegt mit einer beabsichtigten Reduzierung von 112'026 t das Vereinigte Königreich, die sich auf 1'849 Produzenten verteilt.

Auch in den Niederlanden und Irland, wo die Milcherzeugung zuletzt überdurchschnittlich stark expandierte, war das Interesse am EU-Programm gross. In den Niederlanden wurde von 3'932 Produzenten mit insgesamt 80'305 t EU-weit die vierthöchste Reduktionsmenge beantragt. Irland lag mit 74'225 t und 4'447 Teilnehmern nur knapp dahinter. Einziger EU-Staat ohne Antragssteller war Griechenland.

Pro Antragsteller im Schnitt 20'346 kg 


Grosse Unterschiede gibt es in der EU bezüglich der geplanten Produktionsdrosselung bei den einzelnen Betrieben. So wollen die Produzenten in Ungarn und der Slowakei ihre Milchproduktion im Mittel um 126'179 kg beziehungsweise 105'739 kg EU-weit am stärksten verringern. Überdurchschnittlich starke Produktionseinschränkungsabsichten wurden auch aus Dänemark mit 72'598 kg und aus dem Vereinigten Königreich mit 60'588 kg gemeldet. Bei den deutschen Erzeugern ergibt sich im Durchschnitt der Betriebe eine Reduktionsmenge von 28'757 kg. Im EU-Mittel beträgt diese 20'346 kg je Antragsteller.

Pro Produzent würde sich bei Realisierung der angemeldeten Produktionsverringerung im EU-Mittel ein Betrag von 2'848 Euro (3'104 Fr.) ergeben. In Deutschland läge dieser Durchschnittswert bei 4'026 Euro (4'400 Fr.).

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