2.08.2018 13:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Dürre: Hilfe für Viehhalter
Die anhaltende Dürre setzt den deutschen Bauern massiv zu. Die Getreideernte fällt miserabel aus, den Viehhaltern geht das Futter zur Neige. Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner spricht von einer alarmierenden Situation. Sie stellt den Viehhaltern Unterstützung in Aussicht. Ackerbauern müsse sich gedulden.

«Die Dürre trifft unsere Bauern in Deutschland sehr hart», sagte die Ministerin am Mittwoch. Je nach Region würden die Schäden sehr unterschiedlich ausfallen. Von Trockenheit betroffen seien vor allem der Norden und Osten. Bei der Hilfe will sie aber differenzieren. So sollen Viehhalter rascher Hilfen erhalten als Ackerbauern.

Kein Futter aus dem Osten

Aufgrund der drohenden Futterknappheit stellt Klöckner rasch Hilfe in Aussicht. Damit sollen Notschlachtungen verhindert werden, heisst es in einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Denn die Versorgungslage ist einigen Regionen bereits kritisch.

Das Gras wächst nicht mehr, Grasnarben sind ausgetrocknet, der Mais verdorrt. Da es aber nicht nur in Deutschland trocken ist, sondern generell im nördlichen Europa, stellt die Beschaffung von Futter eine Herausforderung dar. Gemäss Klöckner fällt Osteuropa als Markt weitgehend weg -  dies aus Vorsicht wegen der dort auftretenden Afrikanischen Schweinepest.

«Kühe fressen Futter und kein Geld»

Bauern müssten auf teures Soja ausweichen. Milchbauern hätten aber nach jüngsten Preiskrisen kaum Rücklagen. Schnelle Hilfen sei deshalb entscheidend. «Kühe fressen Futter und kein Geld», betonte Klöckner. Mit der raschen Unterstützung will sie Notschlachtungen vermeiden. Die Bundesländer sollen umgehend Hilfsprogramme vorlegen, die der Bund dann flankieren wolle, so die Agrarministerin. Zudem habe sie eine Verordnung zur Freigabe von Futtermitteln auf ökologischen Vorrangflächen auf den Weg gebracht.

Sollten Notschlachtungen im grossen Rahmen einsetzen, ist mit einem (weiteren) Preisrutsch beim Schlachtvieh zu rechnen. Der Markt gilt als bereits überversorgt. Aufgrund der Hitze und den Ferien wird weniger Rindfleisch gegessen. Zudem wurden in den vergangenen Wochen über 10 Prozent mehr Tiere geschlachtet als im Vorjahr. Der Preis für Kuhfleisch liegt mit 2,65 Euro pro Kilo Schlachtgewicht bereits 53 Cent oder 17 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Klöckner setzte sich zur Wehr, es werde zu wenig für die von Dürre betroffenen Bauern getan. Für Landwirte gebe es die Möglichkeit, günstige Darlehen zu beantragen. Zudem würden in den Bundesländern steuerliche Erleichterungen geprüft. Sie habe zudem veranlasst, dass Bauern ökologisch geschützte Flächen ausnahmsweise zur Fütterung ihres Viehs einsetzen könnten.

Noch keine Unterstützung beim Getreide

Beim Getreide erwarten die Bauern noch höhere Ausfälle als prognostiziert. Statt zunächst geschätzter 41 Millionen Tonnen wird mit rund 36 Millionen Tonnen gerechnet. 2017 wurden 45,6 Millionen Tonnen geerntet. Der Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach von einem «katastrophalen Ausmass der Dürreschäden». Um die Futterversorgung sicherzustellen, haben einige Betriebe das Getreide gehäckselt. Beim Winterroggen wird ein Minus von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Beim Raps wird die Ernte nach DBV-Angaben 21 Prozent unter der von 2017 liegen.

Der Bauernverband fordert rasche Nothilfen von einer Milliarde Euro. Rukwied rief die für Hilfen zuerst zuständigen Länder auf, aktiv zu werden. Denn wenn die Bundesländer die Hilfe anschieben würden, werde auch der Bund nachziehen, meint Rukwied. Agrarministerin Klöckner gibt sich beim Getreide aber zurückhaltend. Sie will erst nach der für Ende August geplanten amtlichen Erntebilanz entscheiden. Die Bundesregierung kann erst unterstützen, wenn Schäden von «nationalem Ausmass» festgestellt werden. Es sei deshalb Zeit, den Notstand auszurufen, fordert der Bauernverband. Letztmals war dies im Hitzesommer 2003 der Fall.

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