20.07.2016 07:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Europäischer Milchmarkt
EMB fordert mehr Mittel für Mengenreduktion
Die vom EU-Agrarrat beschlossenen Massnahmen reichen für Krisenbewältigung bei weitem nicht aus, kritisiert das European Milkboard (EMB) in einer Mitteilung.

Die lang anhaltende Krise mit stetig sinkenden Milchpreisen habe die Milchhöfe EU-weit ausgelaugt. Umso wichtiger wären daher durchgreifende Entscheidungen zur Reduzierung der Überproduktion am Markt gewesen. «Doch die Massnahmen, die hier beschlossen wurden, lassen den dringend benötigten Richtungswechsel im Sektor nicht zu», wird kritisiert. Anstatt allen Erzeugern die Möglichkeit eines freiwilligen Lieferverzichts bietet, werde mit 350 Millionen Euro ein Grossteil des Gesamtpakets von 500 Millionen für nicht genau definierte Massnahmen bestimmt.
 
Romuald Schaber, Vorsitzender des European Milk Board (EMB), äussert sich enttäuscht: «Zwar ist auch Produktionsreduzierung eines der Schlagworte, mit denen für das  aktuelle Massnahmenpaket geworben wird. Doch an eine angemessene Umsetzung wagt man sich nicht heran.  Lediglich 150 Millionen Euro sollen für produktionsreduzierende Massnahmen verwendet werden. Ein Betrag, der angesichts der Schwere der aktuellen Krise bei weitem nicht ausreicht.»
 
Zu kurze Reduktionszeit

Zudem gebe  es während der zu kurz angedachten Reduktionsperiode von 3 Monaten, bei der reduzierwillige Erzeuger einen finanziellen Ausgleich erhalten sollen, keine gleichzeitige Mengendeckelung für die anderen Produzenten. Damit sei  die Gefahr sehr gross, dass erreichte Produktionssenkungen durch die Mehrproduktion anderer Erzeuger wieder neutralisiert würden und die Wirkung auf den Milchpreis minimal bzw. nicht spürbar sein wird. Auch die umgerechnet 14 Cent je nicht produziertem Liter Milch würden als Anreiz nicht ausreichen. Hier müsste ein höherer Betrag gezahlt werden, um ausreichend Reduktionsbereitschaft für eine ausreichende Menge am Markt zu gewinnen.
 
«Mit Preisen zum Teil unter 20 Cent für den Liter Milch haben wir in Europa eine ganz starke und deutliche Krise im Milchsektor. Der muss mit einer konsequenten und deutlichen Politik begegnet werden», so Schaber. Doch von Seiten der EU-Kommission und einiger Mitgliedsländer würde man sich um diese Konsequenz schon seit Monaten drücken. Das hätten die gestern beschlossenen Maßnahmen leider erneut gezeigt.

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