Montag, 10. Mai 2021
23.09.2016 15:34
Frankreich

Ernteversicherung in der Kritik

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Von: AgE

Eine eher ernüchternde Bilanz zu der Anfang dieses Jahres gestarteten Ernteversicherung haben jetzt Vertreter der französischen Agrarbranche gezogen. Die Hauptkritik richtet sich gegen den sogenannten Sockelvertrag, den Landwirte unabhängig von der Produktionsausrichtung abschliessen können.

Für Argwohn sorgt hier insbesondere die Untergrenze in Höhe von 30% an Ausfall, ab der ein Schadensfall ausgelöst werden kann. Dies sei „sehr hoch“. Gleiches gilt für die Selbstbeteiligungsgrenze in Höhe von ebenfalls 30%. Als „ungeeignet“ werden in der Branche die Referenzerträge betrachtet, die aus den durchschnittlichen Ernteerträgen der vergangenen fünf Jahre berechnet werden.

Beträge von 2014 erst 2016 ausbezahlt

Darüber hinaus haben weitere Faktoren das Interesse in der französischen Agrarbranche an der Ernteversicherung gebremst. So wurden beispielsweise Förderbeträge für das Jahr 2014 erst im Juni 2016 ausbezahlt. Landwirte, die einen Sockelvertrag für den Bereich Acker-, Obst- oder Weinbau haben, steht ein Anspruch in Höhe von 65% des Versicherungsbetrages zu.

Indes kündigte Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll Anfang September an, dass für diesjährige Versicherungen die Ausbezahlung im November erfolgen solle. In der Kritik steht zudem, dass durch eine „variable Regelung“ die tatsächliche Unterstützung unterhalb der in Aussicht gestellten 65% liegt.

Etwa ein Drittel der Ackerbaufläche versichert

Laut dem französischen Pressedienst Agra-Presse ist der Anteil der versicherten Fläche zurückgegangen. Während im Bereich Ackerbau 2013 noch 32% des Gesamtareals versichert waren, sind es 2015 nur noch 27% gewesen. ImWeinbau seien bei einer Gesamtrebfläche von rund 800’000 ha aktuell nur 150’000 ha abgesichert. Die erstmals angebotene Ernteversicherung für Dauergrünland ist auf ein besonders geringes Interesse gestossen.

Nach Angaben der Vereinigung der genossenschaftlichen Agrarversicherungskassen (Groupama) wurden in diesem Bereich nur knapp 150 Versicherungsverträge registriert, wobei die dahinterstehende Fläche aber nicht genannt wurde. Groupama, bei der 38’800 Verträge für 2016 abgeschlossen worden sind, erhielt bereits 28’000 Schadensmeldungen in diesem Jahr. Die Versicherungsvereinigung befürchtet, dass die Ernteversicherung sie teuer zu stehen kommt.

300 Mio. Euro Schaden 

François Schmitt von Groupama geht davon aus, dass sich die Schadenssumme bislang auf etwa 300 Mio. Euro beläuft. Infolge der gegenwärtigen Trockenheit, die die Maisernte in Teilen Südwestfrankreichs beeinträchtigen dürfte, könnte dieser Betrag noch weiter steigen. Dem gegenüber stünden Versicherungsbeiträge der Landwirte in Höhe von 218 Mio. Euro, berichtete Schmitt. Die Konsequenzen dürften im nächsten Jahr zu spüren sein, wenn die Rückversicherer ihre Versicherungsbeiträge bei den Anbietern von Ernteversicherungen erhöhen und die Verträge damit auch für die Landwirte teurer werden.

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