6.06.2014 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
EU
EU-Agrarreform schützt Artenvielfalt nicht genügend
Viele EU-Politiker verkaufen die EU-Agrarreform als «grün». Die Vorschriften sind aber so verwässert, dass sie die Artenvielfalt nicht fördern, sondern ihr sogar schaden, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachjournal «Science».

Das Team unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig analysierte die Änderungen in der Gesetzgebung und verglich sie mit Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat). Das Fazit der Studie, an der auch ein Experte von Pro Natura Schweiz beteiligt war: Die Agrarreform sei nicht so «grün» wie von vielen EU-Politikern dargestellt. Es sei jedoch noch möglich, Verbesserungsmassnahmen zu ergreifen.

10 Prozent der Äcker für die Natur

Im Dezember 2013 hat die Europäische Union eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erlassen, die für die Jahre 2014 bis 2020 gilt. Mit einem Gesamtbudget von rund 360 Milliarden Euro wirkt sich die Agrarpolitik auf etwa die Hälfte der EU-Landfläche aus und damit auf unzählige Arten, die sich im Laufe der Zeit an diese Kulturlandschaften angepasst haben.

Ursprünglich sollten laut Agrarreform zehn Prozent der gesamten Nutzfläche so bewirtschaftet werden, dass sie für die Artenvielfalt und den Klima- und Umweltschutz erhalten bleiben. «Im Laufe der Verhandlungen wurde dieses Ziel jedoch zunehmend verwässert», sagte Mitautor Klaus Henle vom UFZ. «Das liegt vor allem an den Ausnahmeregeln. Davon gibt es schlicht zu viele.»

10 Prozent der Äcker für die Natur

Ursprünglich sollten laut Agrarreform zehn Prozent der gesamten Nutzfläche so bewirtschaftet werden, dass sie für die Artenvielfalt und den Klima- und Umweltschutz erhalten bleiben. «Im Laufe der Verhandlungen wurde dieses Ziel jedoch zunehmend verwässert», sagte Mitautor Klaus Henle vom UFZ. «Das liegt vor allem an den Ausnahmeregeln. Davon gibt es schlicht zu viele.»

So müssen den Forschern zufolge Betriebe mit einer Fläche unter zehn Hektar keine Fruchtfolgen, also verschiedene Nutzpflanzen hintereinander, anbauen - mit der Folge, dass für rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe diese Pflicht entfällt. Ursprünglich habe die Grenze bei einer Betriebsgrösse von drei Hektar gelegen.

In der Schweiz sind Bauernbetriebe seit langem gesetzlich dazu verpflichtet, sieben Prozent der Fläche als Schutzzone für die Artenvielfalt auszuscheiden, was sich auf die Biodiversität positiv auswirkt. «Ursprünglich wollte die EU dem Schweizer Beispiel folgen - hat es aber schlussendlich nicht getan. Das ist schade», sagte Mitautor Raphaël Arlettaz vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern in einer Mitteilung der Hochschule.

Kleine Betriebe stützen

Es sei jedoch noch nicht zu spät, das Ruder herumzureissen, schreiben die Forscher. Die Mitgliedsstaaten hätten noch ausreichend Spielraum, um mehr zu tun, als die Reform vorgebe. Konkret empfehlen die Wissenschaftler verschiedene Massnahmen: Die Länder sollten kleine, nachhaltig wirtschaftende Betriebe mit einem Sonderbudget unterstützen, das für die Förderung ländlicher Räume und für Agrarumweltmassnahmen gedacht ist. Es sei auch wichtig, ausreichend Flächen landwirtschaftlichen Kulturen und Anbaumethoden vorzubehalten, die die Artenvielfalt nachweislich fördern. Wertvolle Grünflächen wie Wiesen, auf denen viele Tier- und Pflanzenarten beheimatet sind, sollten erhalten bleiben.

Henle zufolge sollte man die Landwirte auch besser schulen: So gebe es auch alternative Agrarverfahren, die die Artenvielfalt schützen und sich zugleich finanziell lohnen. Den Landwirten solle man auch zeigen, welche Förderungen jenseits des Standards möglich seien. Das würde letztlich auch zum Schutz der Artenvielfalt beitragen.

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