21.09.2020 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Treibstoffe
EU: Kein Biokraftstoff vom Acker
Die EU-Kommission gibt mit dem 55%-Ziel für 2030 Gas in der Klimapolitik. Der Verkehrssektor bleibt weiterhin das Sorgenkind, dennoch erteilt die Brüsseler Behörde pflanzlichen Treibstoffen vom Acker eine Absage. Dies bringt ihr Kritik von Experten der Biokraftstoffindustrie ein.

Der Anteil der erneuerbaren Energie im Verkehrssektor stagniere bei 7%, beklagt die EU-Kommission in einem Papier über das neue Klimaziel für 2030. Wenn die EU ihr Ziel für die Verminderung von Treibhausgasen von 40 auf 55% anheben möchte, dürfe der Verkehrssektor aber nicht aussen vor bleiben.

Deshalb sollten bis 2030 mindestens 24% der Energie im Verkehrssektor nicht mehr aus fossilen Brennstoffen bestehen. Die EU-Kommission setzt dabei auf Elektromotoren, Biotreibstoffe der zweiten Generation aus Abfällen und auf die Wasserstofftechnik. Den Anteil von Biodiesel und Bioethanol aus Anbaubiomasse möchte sie dagegen auf ein Minimum reduzieren, weil sie darin keinen positiven Beitrag zum Klimaschutz sieht. 

Vertane Chance der EU-Kommission 

Gegen diese Einschätzung wehrt sich unter anderem der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). "Jetzt die Klimaziele zu erhöhen und Biokraftstoffe als massgebliche Lösung auszusondern, statt auf ihnen aufzubauen, zeigt die konzeptionellen Schwächen der EU-Kommission", kritisiert VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann. Die Elektromobilität allein reicht nach seiner Ansicht nicht, weshalb auch Biodiesel und Bioethanol in einen klimafreundlichen Energiemix gehörten. 

"Die Kommission verkennt vollständig die Realitäten im Verkehrssektor und will die Emissionen mit Instrumenten senken, die erst in einigen Jahren in messbarem Umfang verfügbar sind: E-Mobilität, Wasserstoff und strombasierte Kraftstoffe. Gleichzeitig sollen nachhaltig produzierte Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse durch neuartige Biokraftstoffe ersetzt anstatt ergänzt werden", kritisiert Baumann. Diese Pläne der Kommission seien "fachlich unseriös". Sollte Brüssel diesen abstrusen Plan umsetzen, würden die Emissionen im Verkehr nicht sinken, sondern steigen, warnt Baumann. 

"Derzeit sind Biodiesel und Bioethanol praktisch die einzige Alternative zu fossiler Energie im Strassenverkehr. Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse können bis 2030 rund 60 Mio. t CO2 einsparen", gibt der VDB-Geschäftsführer zu bedenken. 

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