17.12.2013 09:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Europäischer Milchmarkt
EU-Milchpreise sind weiter auf Rekordkurs
Der Anstieg der Milchproduzentenpreise in der EU hat sich im Oktober 2013 abgeschwächt, doch die Rekordjagt ist längst noch nicht vorbei. Zu diesem Ergebnis kommt der niederländische Bauernverband (LTO) im Rahmen seines aktuellen Vergleichs der Auszahlungsleistungen von 16 führenden Molkereiunternehmen in Nord- und Mitteleuropa.

Demnach wurde im Oktober für eine Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiss durchschnittlich 39,86 Cent/kg (48,60 Rp./kg) gezahlt. Das waren 0,21 Cent/kg oder 0,5% mehr als imVormonat. Sehr viel deutlicher fiel das Plus jedoch imVergleich zum Oktober 2012 aus: Binnen Jahresfrist hat sich die Auszahlungsleistung der Molkereien im Schnitt um 6,28 Cent/kg (7,7 Rp./kg) oder fast 19% verbessert.

DMK über 40 Cent

Da einige Milchverarbeiter wie Friesland, Arla oder DOCKaas für November weitere Aufschläge angekündigt haben, dürfte die Rekordmarke von 40 Cent/kg (49 Rp./kg) spätestens dann geknackt worden sein. Für Lieferanten des Deutschen Milchkontors (DMK) ist dies bereits Realität, da sie im Oktober ihren Rohstoff laut LTO mit 41,03 Cent/kg (50 Rp./kg) vergütet bekamen.

Die Alois-Müller-Molkerei erhöhte ihreAuszahlungsleistung gegenüber September um 0,50 Cent/kg und blieb mit 39,88 Cent/kg (48,7 Rp./kg) nur knapp unter der 40-Cent-Marke. Die Milchbauern beider Unternehmen erhielten im Vorjahresvergleich 8,9 Cent/kg (10,9 Rp./kg) oder fast 30% mehr als im Vorjahresmonat und profitierten damit im EU-Vergleich überdurchschnittlich stark von der aktuellen Aufwärtsentwicklung am Milchmarkt.

Finnen zahlen am meisten

Die höchsten Auszahlungspreise blieben aber, wie in den Vormonaten, dem finnischen Verarbeiter Hämeenlinnan vorbehalten, der mit 45,17 Cent/kg (55,1 Rp./kg) das Ranking der LTO anführte. Dahinter rangierte mit einem Milchpreis von 44,11 Cent/kg (53,8 Rp./kg) die italienische Granarolo vor Friesland Campina mit 43,43 Cent/kg (53 Rp./kg). Am unteren Ende der LTO-Tabelle rangierte First Milk aus dem Vereinigten Königreich, die es nur auf eineAuszahlungsleistung von 35,41 Cent/kg (43,2 Rp./kg) brachte und ihren Lieferanten auch im Vorjahresvergleich nur einen unterdurchschnittlichen Preisanstieg bot.

Proteste in Frankreich

Eher am unteren Ende der Auszahlungsleistungen im EU-Vergleich bewegten sich weiterhin die französischen Molkereien. Der LTO-Analyse zufolge konnte lediglich die in der Normandie beheimatete Bongrain im Oktober mit 39,44 Cent/kg (48,1 Rp./kg) ihren Produzenten knapp das EU-Auszahlungsniveau bieten. Danone vergütete den Rohstoff dagegen mit 38,43 Cent/kg rund 1,4 Cent/kg schlechter als die Wettbewerber. Lactalis landete mit seinem gegenüber September leicht gekürztem Milchgeld von gerade einmal 36,18 Cent/kg (44,2 Rp./kg) im Oktober auf dem vorletzten Platz des LTO-Rankings.

Obwohl die französischen Milchbauern gegenüber dem Vorjahresmonat, je nach Unternehmen, zwischen 16% und 20 % höhere Milchpreise erhielten, ist die Unzufriedenheit auf Produzentenseite gross. Am Nikolaustag gab es landesweite Aktionen gegen zu niedrige Milchpreise, wobei sich die Proteste vor allem gegen Lactalis und Danone richteten.

Friesland will 45 Cent je Kilogramm zahlen


In den Niederlanden und Dänemark können die Milchbauern nach Angaben der LTO auf weiter steigende Milchgelder setzen. FrieslandCampina hat angekündigt, den garantierten Milchpreis für die Anlieferungen im November und Dezember um 1,75 Cent/kg zu erhöhen, womit die Vergütung in den beiden letzten Monaten des Jahres bei rund 45,2 Cent/kg (55,1 Rp./kg) liegen dürfte. DOC Kaas will die Auszahlungsleistung im November um 1,8 Cent/kg auf etwa 41,6 Cent/kg (50,8 Rp./kg) steigern, bei der Arla soll es um 1,0 Cent auf 40,0 Cent/kg (48,8 Rp./kg) nach oben gehen.

Damit würde der dänische Molkereikonzern mit der neuseeländischen Fonterra gleichziehen, die laut LTO bereits im Oktober ihren Produzenten die Milch mit 40 Cent/kg vergütete. Der durchschnittliche Milchpreis in den USA lag mit umgerechnet 32,82 Cent/kg (40 Rp./kg) unter dem EU-Niveau.

Globale Marktsituation weiter fest


Den Marktexperten der LTO zufolge bestehen gute Chancen, dass sich das hohe Milchpreisniveau in der EU noch einige Zeit hält. Frühestens zur saisonalen Angebotsspitze auf der Nordhalbkugel Ende des ersten Quartals 2014 seien spürbare Abschläge möglich, sollten nicht vorher unvorhergesehene Dinge am Markt passieren. Zunächst werde der globale Milchmarkt jedoch fest eingeschätzt.

Die leichten Preisabschläge für Molkereierzeugnisse im Oktober seien nur vorübergehend gewesen. Selbst bei jahreszeitlich hoher Produktion auf der Südhalbkugel sei das globale Angebot kaum ausreichend für die stetig wachsende Nachfrage am Weltmarkt gewesen. Die leicht nachgebenden Preise in Europa, gepaart mit einem schwächeren Euro, hätten die Wettbewerbsfähigkeit der Anbieter aus der EU gestärkt und die internationalen Absatzmöglichkeiten verbessert, berichtete die LTO.

Die grössere Nachfrage nach EU-Milcherzeugnissen am Weltmarkt habe die kurze Schwächephase der Preise für Molkereiprodukte schnell beendet, seit einigen Wochen befinde sich vor allem der Milchpulvermarkt wieder im Aufwind.

Umrechnungskurs: 1 Euro = 1,22 CHF

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