14.02.2013 14:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/Reuters
EU/USA
EU/USA: Was ein Freihandelsabkommen bringt
In seiner Rede zur Lage der Nation hat sich US-Präsident Barack Obama für ein weitreichendes Freihandelsabkommen mit der EU starkgemacht. Was ein solches Abkommen für Wirtschaft und Konsumenten in den USA und der EU bedeutet und welche Schwierigkeiten drohen.

Was bringt ein Freihandelsabkommen?

Die Zölle zwischen den USA und den EU sind bereits niedrig. Sie liegen gemäss dem deutschen Aussenhandelsverband BGA im Schnitt zwischen fünf und sieben Prozent. Da jedoch jährlich Waren im Wert von mehr als einer halben Billion Euro über den Atlantik hin- und herbewegt werden, kann die Wirtschaft Milliarden sparen.

Europäische Chemieunternehmen beispielsweise haben 2010 für Exporte in die Vereinigten Staaten fast 700 Millionen Euro in die US-Staatskasse gezahlt. Umgekehrt führten die USA gut eine Milliarde Euro nach Brüssel ab. Wirtschaftsverbände erwarten durch den Fall der Zollschranken weniger Bürokratie für mittelständische Unternehmen und mehr Geld für Investitionen, etwa in Forschung und Entwicklung.

Landwirtschaft ausklammern?

Fast unlösbar scheinen die unterschiedlichen Auffassungen zwischen den USA und der EU in Fragen der Landwirtschaft. «Für die Amerikaner sind Hormonfleisch und Genmais kein Problem, für Europäer ist das dagegen ein 'No-Go'», sagt der Geschäftsführer des Aussenhandelsverbandes BGA, Jens Nagel. «Da kann man sich auch nicht in der Mitte treffen.»

Die Handelskammer AmCham empfiehlt daher, dass Thema aussen vor zu lassen. «Das Thema Agrar würde die Gespräche nur belasten», sagt AmCham-Präsident Fred Irwin. «Deshalb wäre es gut, das beiseite zu schieben.»

Wo gibt es noch Knackpunkte?

Bei der Angleichung technischer Standards. «Das fängt bei der Länge der Stossstangen an und hört beim Krümmungswinkel des Rückspiegels auf», sagt BGA-Experte Nagel. «Hier gibt es seit Jahrzehnten unterschiedliche Standards, die sich nicht in wenigen Jahren angleichen lassen.» Die Chemieindustrie fordert, vor allem Umwelt-, Konsumenten- und Gesundheitsschutz stärker aufeinander abzustimmen.

Wie werden China & co reagieren?

Exporteure warnen davor, aus dem Freihandelsabkommen eine Art Wirtschafts-Nato zulasten anderer Handelspartner zu schmieden. Ein Freihandelsabkommen sei nicht dazu da, sich gegen Dritte abzuschotten nach dem Motto 'Jetzt verbünden wir uns gegen die bösen Chinesen', hiess es am Mittwoch. In der Politik wird das zum Teil genau andersherum gesehen. Politiker sind der Meinung, dass nur noch wenig Zeit bleibe, gemeinsam mit den USA Standards zu prägen, bevor Wachstumsmärkte wie China und Indien den Takt angäben.

Was haben die Konsumenten davon?

Sie können Produkte billiger einkaufen. Viele Branchen können mit einer Kostensenkung rechnen. Ob sie den Vorteil an ihre Kunden weitergeben oder den eigenen Gewinn damit steigern, bleibt ihnen überlassen. Produkte können ausserdem schneller erhältlich sein, wenn sie einheitlich zugelassen werden - etwa wenn die US-Aufsicht FDA ein neues Medikament freigibt, das damit automatischen die Zulassung in den EU erhält.

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