12.02.2013 13:07
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Freihandel
EU will mehr Freihandel mit Nordamerika
Die Europäische Kommission läuft sich für die Aufnahme von Freihandelsgesprächen mit den USA warm. Die EU-Staats- und Regierungschefs gaben am vergangenen Freitag grünes Licht für die Aufnahme von Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten.

Beobachter erwarten, dass US-Präsident Barack Obama in seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag (12.2.) darauf eingehen wird. Die vergangene Woche von der EU eingeräumten Erleichterungen für die Einfuhr von Rindfleisch und lebenden Schweinen aus den USA können als Indizien gewertet werden, dass Brüssel bemüht ist, Washington milde zu stimmen.

Ein Freihandelsabkommen zwischen den beiden neben Ostasien wichtigsten Handelsblöcken der Welt dürfte die Wirtschaft von EU und USA enorm beflügeln.

Rückschlag bei Gesprächen mit Kanada

Unterdessen haben die laufenden Freihandelsgespräche der Gemeinschaft mit Kanada einen herben Rückschlag erhalten. Dem Vernehmen nach verlangte der kanadische Handelsminister Ed Fast vergangene Woche anlässlich eines hochrangigen Treffens mit EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos und Handelskommissar Karel De Gucht in Ottawa einen zollvergünstigten Zugang zum EU-Markt für 100'000 Tonnen Rindfleisch.

Diese Forderung ist für die EU jedoch inakzeptabel. Abgesehen von der Höhe an sich würde dadurch ein Präzedenzfall für künftige Verhandlungen mit den USA geschaffen. Aus Kommissionskreisen wurde betont, dass die Gespräche deshalb nicht gescheitert seien. Allerdings lege man mehrWert auf die Qualität eines Abschlusses als auf die Geschwindigkeit.

Kanadas lascher Umgang mit europäischen Herkunftsbezeichnungen

Ferner drängt Kanada Experten zufolge auf einen leichteren Zugang zu den EU-Märkten für Schweinefleisch und Körnermais, während die Kommission unter anderem zollfreie Exporte von Eiern und Geflügelfleisch anstrebt. Darüber hinaus verhandelt Brüssel über mehr Marktchancen für EU-Milchprodukte in Kanada. Hier scheint Ottawa im Gegenzug für Zollsenkungen bei Nicht-Agrargütern zum Einlenken bereit.

Darüber hinaus stösst sich die EU an dem laschen Umgang des nordamerikanischen Landes mit europäischen Herkunftsbezeichnungen: Die kanadische Ernährungswirtschaft greift für ihre Produkte auf Namen wie Roquefort, Feta oder Parmaschinken zurück - ohne dass die Produkte den europäischen Anforderungen an geschützte Ursprungsbezeichnungen (g.U.) beziehungsweise geschützte geographische Angaben (g.g.A.) genügen würden.

DiebEU fährt bei solchen Verhandlungen grundsätzlich die Strategie, entsprechende Bezeichnungen für EU-Produkte zu reservieren. Kanadische Hersteller müssten also ihre Produktnamen ändern. Weniger problematisch ist dies offenbar bei nicht so bekannten Ursprungsbezeichnungen wie San-Daniele-Schinken oder „Foie Gras du Périgord“.

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