26.03.2014 14:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Europäische Milchindustrie im Aufbruch
Die europäische Milchindustrie blickt optimistisch in die Zukunft. Auf der Jahrestagung des EU-Milchindustrieverbandes (EDA) vergangene Woche in Brüssel bekräftigte Präsident Michel Nalet die vielversprechenden Marktaussichten für die nächsten Jahre.

Trotz des riesigen EU-Binnenmarkts mit 500 Millionen Konsumenten bestünden die grössten Chancen am Weltmarkt, denn die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Milchprodukten steige.

Weltmarktpreis wird immer mehr von China bestimmt

Der geschäftsführende Vizepräsident von Arlafoods, Jais Valeur, hob die Vorteile des kooperativen Geschäftsmodells und die internationale Ausrichtung der Molkereigenossenschaft hervor. Heute würden nur noch 9% des Umsatzes im Stammland Dänemark erwirtschaftet. Als entscheidend für den künftigen Erfolg des Sektors wertete Valeur die Aufgaben, den Mehrwert von Milchprodukten und den Absatz am Weltmarkt zu steigern.

Dabei mass der Manager China besondere Bedeutung zu. Der Weltmarktpreis werde mehr und mehr von der Nachfrage der Volksrepublik bestimmt. Für die Politik sah Valeur nur eine begrenzte Rolle, auch wenn er die Notwendigkeit eines Sicherheitsnetzes für Marktkrisen bestätigte - allerdings besser mit einer automatischen Auslösefunktion, um wirklich schnell reagieren zu können.

Daneben sollten sich Politiker jedoch darauf beschränken zu überlegen, wie man dem Markt Impulse geben könne. Ferner sollten sie sich in internationalen Verhandlungen für die Öffnung von Drittlandsmärkten einsetzen. Viele asiatische Länder beispielsweise erhöben auf EU-Milch einen spürbaren Einfuhrzoll, während sie Milch aus Neuseeland zollfrei importieren. Das sei ein automatischer Wettbewerbsnachteil.

Wachsam bleiben

Georg Häusler, der Kabinettschef von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, begrüsste die erfreulichen Aussichten, warnte jedoch davor, sich zu sehr in Sicherheit zu wiegen. Man müsse auf einen Marktumschwung vorbereitet sein. Dabei stellte Häusler klar, dass die EU nur noch in begrenztem Umfang werde eingreifen können: 400 Mio. Euro im Krisenfonds seien am Ende nicht viel Geld.

„Die Tage weitreichenderMarktinventionen sind vorbei“, so der Österreicher. Das Ende des Quotensystems verschlechtere die Versorgung der Kommission mit Produktionsdaten. Deshalb müsse man Alternativen zur Marktbeobachtung finden. Gleichzeitig warnte er davor, nur auf Wachstum zu setzen. In der EU müsse Platz für alle Produzenten sein. Dies sicherzustellen, sei die Aufgabe der Gemeinsamen Agrarpolitik.

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