4.03.2019 13:15
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
F: Ernährungssouveränität gefährdet
Frankreichs Staatspräsident sieht ein einiges Europa als Schutz gegen Normen, Preise und Vorschriften von Drittstaaten, Mit einer Differenzierungsstrategie sollen europäische Landwirtschaft wettbewerbsfähig werden. Direktzahlungen will Macron beibehalten.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat vor einer schwindenden Ernährungssouveränität in der Europäischen Union gewarnt. Eine Gefahr für die heimische Landwirtschaft gehe nicht etwa von der Konkurrenz durch spanische Früchte aus, sondern beispielsweise durch die Abhängigkeit von Sojaimporten und dem damit verbundenen Einfluss auf die Preise, erklärte Macron am Samstag vor einr Woche auf der Pariser Landwirtschaftsmesse SIA.

Zentraler Punkt Wertschöpfung

Konkrete Gefahren innerhalb der Europäischen Union sieht der Staatspräsident nicht, wohl aber eine drohende Abhängigkeit von anderen Mächten. Weder Landwirte noch Konsumenten wollten sich den Normen, Preisen und Vorschriften von Drittstaaten unterwerfen. Macron betonte, er sehe ein einiges Europa als einzige Lösung, um sich gegen derartige Abhängigkeiten zu schützen.

Die europäische Landwirtschaft will Frankreichs Staatschef insbesondere durch eine Differenzierungsstrategie wettbewerbsfähig machen. Zentraler Punkt müsse die Wertschöpfung sein. Es könne nicht darum gehen, billiger als brasilianisches Geflügelfleisch oder neuseeländische Milch zu sein. Das Streben nach Qualität erfordere aber auch eine Strukturierung der Sektoren, und diese müsse auf europäischer Ebene erfolgen.

Für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 regte Macron Instrumente zur Absicherung der Landwirte gegen Klima- und Marktrisiken an. Dies sollte jedoch nicht in Form von Produktionsbeihilfen umgesetzt werden, sondern durch eine Strategie zum Risikomanagement, zu der auch eine Krisenreserve auf europäischer Ebene gehören müsse. Die flächengebundenen Direktzahlungen sollten indes erhalten bleiben.

Le Pen fordert „Agrarpatriotismus“

Scharfe Kritik am Staatschef äusserte die Präsidentin des Rassemblement National, Marine Le Pen. Sie warf ihm vor, nur „Unwahrheiten und leere Versprechungen“ von sich zu geben. Macron veranstalte Chaos und lasse sinkende EUBeihilfen zu. Die Chefin des vormaligen Front National forderte einen „Agrarpatriotismus“ und sprach sich für eine „agrikulturelle Ausnahme“ aus, um den Sektor durch einen „massiven Sozialplan“ zu stützen.

Le Pen hatte 2017 die Stichwahl gegen Macron verloren. Sie hatte eine „agrarpolitische Renationalisierung“ propagiert und die Zukunft der französischen Landwirtschaft ausserhalb der GAP gesehen.

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