13.05.2020 10:35
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Coronakrise
Fairtrade-Blumenproduzenten leiden
Die Fairtrade-Blumenfarmen in Afrika erleiden derzeit wegen der Coronakrise Absatzeinbrüche von bis zu 90 Prozent. Die Max-Havelaar-Stiftung appelliert an die Solidarität der Schweizer Kunden.

Auf den afrikanischen Fairtrade-Blumenplantagen mit ihren 59'000 Angestellten zeige sich exemplarisch, welch verheerenden Auswirkungen die Krise dort habe, schrieb die Stiftung am Mittwoch in einer Mitteilung. Wegen der grossen Absatzeinbrüche könnten die Farmer ihre Angestellten nicht mehr beschäftigten und müssten sie teils entlassen. Viele stünden vor dem Bankrott.

Das Schicksal der Arbeiter in der Blumenindustrie hänge auch davon ab, wie sich die Umsätze hierzulande entwickeln. «In dieser schwierigen und unsicheren Zeit braucht es vor allem eins: Solidarität», wurde der Max Havelaar-Geschäftsführer Renato Isella im Communiqué zitiert.

Nothilfe für die Bauern

Die Dachorganisation Fairtrade hat laut der Mitteilung schon zu Beginn der Krise reagiert und ihre Prämienrichtlinien und den Verwendungszweck gelockert. Zudem hat das Fairtrade-System insgesamt 3 Millionen Euro gesprochen, um den Produzenten zu helfen. Die Max-Havelaar-Stiftung hat dazu laut den Angaben 360'000 Franken beigesteuert.

Allerdings sind trotz der Krise nicht alle Produzentennetzwerke auf Corona-Nothilfe angewiesen. Der Grossteil der fairtrade-zertifizierten Produkte seien nämlich Lebensmittel, bei denen es keine so grossen Einschränkungen gab wie bei den Blumen, so ein Sprecher. Bei Produkten wie Bananen oder Kaffee würde aktuell sogar ein leichtes Wachstum verzeichnet, schrieb die Stiftung weiter.

Wachstum 2019 verlangsamt

Im vergangenen Geschäftsjahr zeigte sich eine deutliche Verlangsamung des Wachstums der Stiftung. Sie erwirtschaftete mit 814 Millionen Franken zwar erneut einen Rekordumsatz, steigerte das Wachstum aber nur noch um 2,5 Prozent. Im Vorjahr hatte das Wachstum noch über 13 Prozent betragen.

«Weil Detailhändler teilweise ganze Produktkategorien auf Fairtrade umgestellt haben, lagen die Wachstumszahlen regelmässig im zweistelligen Bereich», erklärte Sprecher Patricio Frei das frühere Wachstum. Diese Umstellungen hätten sich im mittlerweile sehr reifen Fairtrade-Markt Schweiz verlangsamt. Zudem stagniere in der Schweiz der Detailhandel seit längerem. Und vor dem Hintergrund, dass Discounter, die eher weniger Fairtrade-Produkte im Angebot hätten, Marktanteile gewinnen, sei ein Wachstum von 2,5 Prozent deshalb durchaus positiv zu werten.

11,5 Millionen Dollar Prämien für Kleinbauern 

Leicht zugenommen hat auch der Umsatzbetrag pro Kopf. Durchschnittlich gab jeder Konsument 2019 94 Franken für Fairtrade-Produkte aus, im Vorjahr waren es 93 Franken gewesen. Die Anzahl der mit dem Fairtrade Max Havelaar-Label zertifizierten Produkte stieg von 2'800 auf 3'000.

Besonders gut haben sich gemäss dem Bericht die Produkte mit dem neuen weissen Label entwickelt. Es zeigt an, dass einzelne Zutaten eines Produktes aus fairer Produktion stammen. Dieses Label trage bereits 16 Prozent zum Umsatz bei. «Der Erfolg des weissen Labels für Einzelzutaten ist vor allem auf Umstellungen von Süsswaren durch Detailhändler zurückzuführen», so Frei. Diese Produkte enthielten bislang konventionellen Kakao.

Aus dem Konsum von Fairtrade-Produkten in der Schweiz resultierten im letzten Jahr über 11,5 Millionen Dollar Fairtrade-Prämien für die Kleinbauern und Arbeiter, schrieb Max Havelaar. Das Jahr 2020 sehe wegen Corona «weniger positiv» aus.

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