17.12.2015 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch -
Fischerei
Fangquoten: EU-Staaten einigen sich
Wie jedes Jahr kurz vor Weihnachten haben sich die EU-Fischereiminister auf die Fangquoten für wichtige Fischarten im Atlantik, in der Nord- und Ostsee geeinigt. Die deutschen Fischer dürfen 2016 zum Beispiel mehr Hering, Kabeljau und Scholle in der Nordsee fischen, die spanischen und französischen Fischer mehr Seehecht und Makrele im Atlantik.

Diese Quotenanhebungen seien der Beweis dafür, dass die Regeln für nachhaltige Fischerei funktionierten, sagte EU-Fischereikommissar Karmenu Vella.

36 Fischarten unverändert

Der Einigung zufolge bleiben die Fangquoten für 36 Fischarten in Atlantik, Nord- und Ostsee im Vergleich zu diesem Jahr gleich. Bei der Seezunge wurden die Fangquoten weniger stark reduziert als von der EU-Kommission vorgeschlagen.

Beim Kabeljau in der Keltischen See südlich von Irland blieben die Minister unter der vorgeschlagenen drastischen Reduzierung der Quoten und einigten sich auf eine Verringerung um zehn Prozent. Frankreich begrüsste, es habe eine Beibehaltung der Fangquoten unter anderem für Kaiserhummer und Seeteufel im Golf von Biskaya erreicht.

Rückwurf-Verbot für Beifang

Die EU-Kommission hatte für zahlreiche Fischbestände in Nordsee und Nordatlantik im kommenden Jahr eine Beibehaltung oder Anhebung der Höchstfanggrenzen vorgeschlagen. Bei allen Vorschlägen wurden wissenschaftliche Gutachten als Grundlage genommen. Zudem gilt ab 2016 erstmals ein Rückwurf-Verbot bestimmter Fischarten. Unerwünschter Beifang darf dann nicht mehr ins Meer zurückgeworfen werden.

Ziel der 2013 beschlossenen grossen Fischereireform ist eine Befischung, bei der die grösstmögliche Menge Fisch gefangen wird, ohne dass die gesunde Bestandsgrösse gefährdet wird. Ein Bestand meint jeweils eine Fischart in einem ganz bestimmten Meeresgebiet.

Lob und Kritik

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärte, das Ergebnis der Fischereiminister gehe in die richtige Richtung. Aber auch wenn sich einige Bestände allmählich erholten, seien immer noch 40 Prozent der Speisefisch-Bestände im Nordostatlantik und in der Nordsee überfischt. Der WWF erklärte, die Entscheidungen seien «akzeptabel», weil sie den wissenschaftlichen Empfehlungen folgten. Mittlerweile werde die Hälfte der gut 60 kommerziell genutzten Fischbestände in der Nordsee nachhaltig befischt. Entwarnung gebe der WWF aber nicht.

Die Meeresschutzorganisation Oceana dagegen kritisierte das Abkommen. Die Entscheidung der Minister sei «unzulänglich, um die verbindliche Zusage der Europäischen Union zu erreichen, Überfischung in europäischen Gewässern zu beenden», erklärte Oceana-Direktor Lasse Gustavsson. Die Organisation Seas at Risk bemängelte die zu hohen Quoten für Seezunge, Seeteufel und Seehecht. Die Minister hätten der Überfischung keinen Einhalt gebieten können.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE