23.06.2013 07:54
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Globaler Milchmarkt
FAO rechnet mit anhaltend hohen Preisen für Milchprodukte
Die Preise für Milchprodukte an den internationalen Agrarmärkten werden nach Einschätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf absehbare Zeit ihr überdurchschnittliches Niveau behalten.

In ihrem aktuellen Ausblick auf den globalen Milchmarkt geht die UN-Organisation davon aus, dass es in den nächsten Monaten keine Angebotsüberhänge am Weltmarkt geben wird und sich die Notierungen für Milchprodukte bei weltweit geringen Lagerbeständen
bis weit in das Jahr 2013 hinein spürbar über dem Vorjahresniveau bewegen werden.

Knapp an Höchstmarke vorbei

Im April 2013 kletterte der von der FAO berechnete globale Milchpreisindex auf 259 Punkte und verfehlte nur knapp seine historische Höchstmarke von 269 Punkten im November 2007. Im Mai erfuhren die Notierungen für Milchprodukte eine Korrektur nach unten, doch wurde mit einem Index von 250 Punkten das Vorjahresniveau immer noch um rund 42 % übertroffen.

Insbesondere für Milchpulver muss in diesem Jahr mehr bezahlt werden. Der FAO zufolge lagen die Preise für Voll- und Magermilchpulver im Mai jeweils rund 70% über dem Vergleichniveau von 2012. Bei Butter betrug das Plus fast 40% und bei Cheddarkäse 27%.

Kein Preissturz erwartet

Die Marktanalysten aus Rom halten es allerdings für möglich, dass in den kommenden Monaten mit saisonal steigenden Milchmengen in Ozeanien weitere Preissenkungen erfolgen werden. Ein Absturz der Notierungen unter das Vorjahresniveau wird jedoch nicht erwartet.

Darauf deutet auch das Ergebnis bei der Auktion an der internationalen Handelsbörse Global Dairy Trade (GDT) am Dienstag hin. Der zusammenfassende Preisindex der gehandelten Lieferkontrakte für Milcherzeugnisse konnte sich gegenüber der vorangegangenen Auktion von Anfang Juni um 1,1 % befestigen, nachdem es bei den drei Versteigerungen zuvor zu Notierungsabschlägen gekommen war.

Niedrige Lagerbestände

Den deutlichen Preisanstieg für Milcherzeugnisse in den vergangenen Monaten führt die FAO einerseits auf den zuletzt erfolgten Rückgang der Milchproduktion in Neuseeland zurück. Andererseits wird auch das nur verhaltene Wachstum der Produktion in anderen führenden Exportländern ins Feld geführt.

Dies habe insbesondere zu geringen öffentlichen Lagerbeständen in den USA und der EU geführt, und auch sonst seien auf der Welt kaum grössere Mengen an Milchprodukten in der Vorratshaltung vorhanden, so die FAO. Dadurch seien die Spotmärkte knapp versorgt gewesen, und zusätzliche Bestellungen hätten die Preise nach oben ausschlagen lassen.

Steigende Milchproduktion vor allem in Asien

Die FAO geht jedoch nicht davon aus, dass es eine strukturelle und längerfristige Unterversorgung des globalen Milchmarktes geben wird. Die Experten aus Rom erwarten für 2013 eine Zunahme der globalen Milchproduktion um 17 Mio. t (+2,2%) auf insgesamt 784,4 Mio t, womit die Wachstumsrate im Bereich der vorangegangenen Jahre liegen würde.

Ein Grossteil der globalen Produktionsausdehnung in diesem Jahr wird laut FAO auf Asien entfallen, wobei der weltweit führende Milchproduzent Indien das Aufkommen um 5,3 Mio. t (+4%) auf insgesamt 139 Mio t steigern soll, um die wachsende Nachfrage im Inland zu befriedigen.

Produktion in der EU stagniert

Ein wesentlich schwächeres Wachstum wird für die US-Milcherzeugung angenommen, die gegenüber 2012 nur um 0,7% auf 91,5 Mio. t zulegen dürfte. Noch immer seien regional die Folgen der Dürre des vergangenen Jahres negativ zu spüren, und einige Farmer hätten aufgrund der ungünstigen Erlös-Kosten-Situation Kühe aus der Produktion genommen, begründet die FAO ihre verhaltene Wachstumsprognose für die Milchproduktion in den USA.

Den EU-Milchbauern traut die UN-Organisation im laufenden Jahr gar keine Expansion zu. Die Produktion soll trotz höherer Quote auf dem Vorjahresniveau von 156 Mio. t verharren, weil sich Produktivitätsfortschritte und Abbau der Kuhbestände voraussichtlich die Waage halten.

In Neuseeland haben Regenfälle im April die Futtersituation auf den Weiden spürbar verbessert und einen normalen Start in die Saison 2013/14 ermöglicht.

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