30.08.2016 06:40
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Flächenprämien durch Preisausgleichszahlungen ersetzen
In die Diskussion über die künftige Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik hat das Kasseler Institut für ländliche Entwicklung jetzt den Vorschlag eingebracht, die derzeitigen Flächenprämien durch eine aktive Marktpolitik und ein Instrument für Preisausgleichszahlungen zu ersetzen.

„Mit unserem Modell wenden wir uns ab von der ungezielten Flächenförderung nach dem Giesskannenprinzip, schaffen Raum für das Wirken marktwirtschaftlicher Mechanismen, entschärfen aber gleichzeitig auch den auf landwirtschaftlichen Betrieben lastenden Wachstumsdruck“, erläuterte der Geschäftsführer des Instituts, Frieder Thomas, am vergangenen Donnerstag.

Im Zentrum des Modells stehe die Berechnung der Erzeugungskosten von landwirtschaftlichen Produkten für bestimmte Betriebstypen in konkreten Regionen. Diese Kosten würden ins Verhältnis gesetzt zu den erzielbaren Produzentenpreisen. Wenn sich die Preis-Kosten-Schere in einzelnen Sektoren öffne und das Verhältnis von Erzeugungskosten zu Erzeugerpreisen eine bestimmte - und in der politischen Diskussion noch zu bestimmende - Grössenordnung unterschreite, würden Preisausgleichszahlungen fällig.

„Zunächst plädieren wir ja dafür, dass ein funktionierender Markt und politische Massnahmen für ein Marktgleichgewicht mit angemessenen Preisen sorgen“, so Thomas. Das sei notwendig, denn sonst werde das Modell kostspielig. Der Markt alleine werde die Probleme jedoch nicht lösen. Um eine bäuerlich-mittelständische Landwirtschaft zu erhalten, brauche man zusätzlich ein agrarstrukturelles Förderprogramm.

Die Kasseler Forscher gehen davon aus, dass der bürokratische Aufwand bei einer Umsetzung ihres Modells gering wäre: Die wesentlichen Daten zu verschiedenen Betriebstypen lägen bereits vor und würden von der EU-Kommission schon jetzt zur Errechnung von Gewinnmargen in einzelnen Sektoren genutzt. Wie das Institut feststellte, ist das Modell noch nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet. „Erst wenn wir den Eindruck haben, dass das Grundprinzip politische Unterstützung findet, ist es sinnvoll, Zeit in die Weiterentwicklung zu investieren“, so Thomas. Jetzt hoffe er auf eine spannende agrarpolitische Diskussion.

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