16.02.2015 16:45
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Fleisch: EU-Parlament hält an Kennzeichnung fest
Das Europaparlament beharrt auf einer verpflichtenden Kennzeichnung des Herkunftslandes von Fleisch in verarbeiteten Produkten wie Wurst oder Tiefkühllasagne. Dazu hat das Hohe Haus vergangene Woche eine Erklärung verabschiedet.

Die Abgeordneten rufen die Europäische Kommission dazu auf, entsprechende Rechtsvorschläge zu entwickeln. Sie versprechen sich davon mehr Transparenz und ein gestärktes Verbrauchervertrauen insbesondere vor dem Hintergrund des Pferdefleischskandals von 2013. Betrug könne allein durch die Angabe des Ursprungslandes oder des Herkunftsortes zwar nicht verhindert werden. Ein konsequentes Rückverfolgungssystem trage aber sehr wohl dazu bei, mögliche Verstöße aufzudecken und gegen sie vorzugehen, heisst es in der Stellungnahme.

Kostengründe werden nicht geteilt

Die von der Europäischen Kommission gegen eine Pflichtkennzeichnung ins Feld geführten Kostengründe teilt das Parlament nicht. Verwiesen wird auf die Ergebnisse einer französischen Studie, deren Schlussfolgerungen erheblich von denen der Kommission abwichen. Ferner müsse bei der Berechnung der Kosteneffekte berücksichtigt werden, dass ab April 2015 ohnehin eine Kennzeichnungspflicht der Herkunft nicht nur von Rindfleisch, sondern auch von unverarbeitetem Schweine-, Geflügel-, Schaf- und Ziegenfleisch gelte.

Die Kommission hatte im Dezember 2013 einen Bericht vorgelegt, in dem durch eine Pflichtkennzeichnung von Verarbeitungsprodukten eine Steigerung der Betriebskosten um bis zu 50 Prozent erwartet wird.

EU-Kommission: Konsumenten wollen nicht für Zusatzinformation zahlen

Der EU-Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen hatte bereits zuvor in einer Aussprache mit den Abgeordneten erklärt, dass sich die Brüsseler Behörde noch keine abschliessende Meinung über das weitere Vorgehen gebildet habe. Der Finne betonte, die vom Parlament herangezogene Untersuchung einer französischen Konsumentenorganisation sei mit den Untersuchungen der Kommission nicht unmittelbar vergleichbar.

Sie beschränke sich auf die Verwendung von Rindfleisch in Verarbeitungsprodukten, wo eine verpflichtende Kennzeichnung wegen des bestehenden Rückverfolgbarkeitssystems relativ geringe Kosten mit sich bringen dürfte. Ferner schätze die französische Organisation Änderungen der Konsumentenpreise. Die Kommission hingegen habe die zusätzlichen Kosten für das Fleisch verschiedener Tierarten erfragt und sich dabei auf Angaben der Ernährungswirtschaft gestützt.

Die genannten Kostensteigerungen um bis zu 50 % bezögen sich auf die Betriebskosten der Unternehmen, nicht auf den Endverbraucherpreis und auf den konkreten Fall einer Pflichtkennzeichnung nach Mitgliedstaat. Ferner erinnerte Katainen daran, dass die Mehrzahl der Konsumenten nicht bereit sei, für die Zusatzinformation zu zahlen.

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