9.11.2015 10:32
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Frankreich will Pflanzenschutzmitteleinsatz verringern
Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll strebt die Verringerung des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft an.

Wie aus dem am vergangenen Mittwoch vorgestellten Plänen unter dem Programmtitel „Ecophyto 2“ hervorgeht, soll der Rückgriff auf chemische Wirkstoffe innerhalb von zehn Jahren halbiert werden. Dazu will Paris beispielhafte Praktiken, die mit besonders wenig chemischen Pflanzenschutzmitteln auskommen, voranbringen, insbesondere durch eine Ausweitung des Netzes vorbildlicher Betriebe von derzeit 1 900 auf 3 000. Profitieren sollen davon mittelfristig 30 000 Landwirte, von denen sich die Regierung wiederum eine Hebelwirkung auf den gesamten französischen Agrarsektor verspricht. Verteilt auf sechs Schwerpunkte ist ein Bündel von mehr als 30 Einzelmaßnahmen vorgesehen.

Angedacht sind unter anderem der bevorzugte Einsatz biologischer Methoden der Schädlingsbekämpfung sowie die Präzisionslandwirtschaft. Bis 2020 strebt Le Foll vorrangig die Optimierung bestehender Techniken an. Während der zweiten Phase bis 2025 sind dem Entwurf zufolge dann „weitergehende Veränderungen“ geplant. Hintergrund ist die Umsetzung der EU-Richtlinie für einen nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus dem Jahr 2009, mit der die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, das Risiko von Pflanzenschutzmitteln auf Gesundheit und Umwelt zu begrenzen, beispielsweise durch moderne Ausbringungstechniken und geschulte Anwender. Le Foll beharrt darauf, dass seine Pläne keine Überinterpretation der EU-Vorgaben darstellten.

Die ersten Reaktionen der wichtigsten Branchenverbände fielen jedoch äußerst kritisch aus. „Dieser Plan zeugt mehr von Ideologie als von landwirtschaftlicher Realität“, monierte der französische Bauernverband (FNSEA). Während der Dachverband der Pflanzenerzeuger (Orama) vor einem weiteren Anstieg der Bürokratie warnte, sprach der französische Dachverband der Pflanzenschutzindustrie (UIPP) von einer neuerlichen Strafaktion gegen ihre Produkte. Paris stehe mit seinen Vorschlägen innerhalb der EU alleine da und vernachlässige die landwirtschaftliche Praxis, monierte die UIPP-Generaldirektorin Eugénia  Pommaret. Damit beschneide die Regierung die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Bauern.

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