3.10.2017 11:56
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Für Mecosur 70'000 t Rindfleisch
Die Europäische Kommission will in den Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen (FTA) mit den Mercosur- Staaten jährliche Freihandelsquoten von 70'000 t Rindfleisch und 600'000 t Ethanol anbieten. Diese Zahlen wurden in Brüsseler Kreisen nach dem Treffen der EU-Kommission mit Experten der Mitgliedstaaten am vergangenen Donnerstag genannt.

Zunächst war von EU-Seite geplant, diese Angebote den Südamerikanern in der nächsten Verhandlungsrunde, die vom 2. bis 6. Oktober in Brasília stattfindet, zu machen. Jedoch verlautete anschliessend, dass insbesondere Frankreichs Präsident Emanuel Macron sowie Irlands Regierungschef Leo Varadkar beim EU-Gipfel in Tallinn gegen diese geplanten Zugeständnisse scharf protestiert hätten.

11 Staaten wollen keine Quote

Daher werde Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Entscheidung treffen, ob die angedachten Importquoten den Mercosur-Staaten tatsächlich jetzt unterbreitet werden, hiess es aus Kommissionskreisen. Elf EU-Mitgliedstaaten drängten indes in einem Schreiben an die EU-Behörde darauf, den südamerikanischen Ländern für Rindfleisch, Ethanol, Zucker und Geflügel vorerst keine Quoten einzuräumen. Zuvor müsse erst sichergestellt werden, dass die Produkte unter vergleichbaren Standards wie in der EU erzeugt würden.

Unter den Unterzeichnern des Schreibens befanden sich unter anderem Frankreich, Polen, Irland, Österreich und Ungarn; Deutschland gehörte nicht dazu.

Verweis auf Brasiliens Fleischskandal und Brexit

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Rindfleisch“ der EUAusschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA), Jean-Pierre Fleury, zeigte für die geplanten Angebote keinerlei Verständnis. Bisher sei nicht einmal der brasilianische Fleischskandal vollumfänglich aufgeklärt. In der EU würden hingegen die höchsten Standards zur Lebensmittelsicherheit und beim Tierschutz weltweit gelten. Diese würden aber jetzt untergraben, warnte Fleury.

Die Auswirkungen der Importquoten für Mercosur auf den EU-Rindfleischsektor wären fatal. „Es ist nicht hinnehmbar, dass die Kommission den Agrarsektor opfert und doppelte Standards für den Binnenmarkt zulässt“, so der Franzose. Laut COPA/COGECA-Generalsekretär Pekka Pesonen ist es aktuell auch deshalb nicht an der Zeit, solche Importquoten vorzuschlagen, da die Auswirkungen des Brexit noch nicht bekannt seien.

„Mit 45 % des irischen Rindfleisches, das für den britischen Markt bestimmt ist, können wir gegenwärtig nicht daran denken, den EU-Rindfleischmarkt in einem Handelspakt mit den Ländern Lateinamerikas weiter abzuwürgen“, so der Finne. Auch Ethanol müsse aus den Verhandlungen ausgeschlossen werden. Zudem bestünden ernste Bedenken hinsichtlich Orangensaft, Obst und Gemüse.

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