11.11.2013 15:39
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Rumänien
Gammelfleisch-Skandal in Rumänien
Mitarbeiter der rumänischen Anti-Korruptionsbehörde DNA haben im Rahmen ihrer Recherchen gegen die Fleischmafia auch Geschäfte mit „Gammelfleisch“ aufgedeckt. Die britische Lebensmittelbehörde entdeckte Pferdefleisch in rumänischem Dosenrindfleisch.

Die Lebensmittelbehörde ANSVSA, die von der DNA eingeschaltetworden ist, beschlagnahmte bis Ende Oktober rund 20 Tonnen verdorbenes Hühnerfleisch, das in Filialen der Hypermarktkette Selgros angeboten worden war. Das Fleisch stammte von den Geflügelmast- und Schlachtunternehmen Avicola Calarasi beziehungsweise Crevedia Dambrovita.

Nach Angaben der ANSVSA enthielt das beschlagnahmte Hähnchenfleisch von Avicola Calarasi unter anderem Mäusekot. Der Vizechef der Lebensmittelbehörde berichtete Anfang November gegenüber der Agentur adz.ro, dass die Lebensmittelinspekteure „mit Hochdruck“ nach weiteren Fällen von Gammelfleischgeschäften suchten.

Nicht alle in einen Topf werfen

Der Präsident des rumänischen Geflügelzüchterverbandes (UCPR), Ilie Van, warnte indes davor, das Fehlverhalten einiger Geflügelverarbeiter der gesamten Branche anzulasten. Die unter Verdacht stehende Geflügelfarm Avicola Calarasi werde auch der Steuerhinterziehung beschuldigt und befinde sich in Liquidation, erklärte Van.

Rumänien habe 500 registrierte Geflügelfarmen, wovon 250 Mitglieder im UCPR seien. Der Verbandspräsident geht ungeachtet der Vorfälle davon aus, dass der rumänische Geflügelmarkt 2013 wachsen wird, und zwar wertmässig um mehr als 10 Prozent auf umgerechnet gut 1 Mrd. Euro (1,23 Mrd. Fr.).

Nur Pferde-DNA-Spuren?

Derweil hat sich die ANSVSA mit einem zweiten Problem herumzuschlagen. In Grossbritannien ist bei Routinekontrollen der Food Standards Agency (FAS) in Dosenrindfleisch rumänischer Herkunft entgegen der Etikettierung auch Pferdefleisch festgestellt worden. Betroffen sind zwei englische Handelsketten. Das Pferdefleisch machte den Angaben zufolge zwischen 1 und 5 Prozent der Doseninhalte aus. Lieferant der Konserven war die rumänische Firma Scandia Food.

Das Unternehmen ist in dem Balkanland ein führender Hersteller von Konservenfleisch und exportiert dieses bereits seit mehreren Jahren unter anderem auch nach Deutschland, in die USA und nach Japan, bislang ohne Auffälligkeiten. ANSVSA-Vorsitzender Wladimir M?n?stireanu teilte unterdessen mit, dass die Behörde Untersuchungen bei Scandia Food eingeleitet habe. Von Lebensmittelbetrug könne aber erst gesprochen werden, wenn der Anteil des Pferdefleischs in der als Dosenrindfleisch ausgewiesenen Ware mehr als 1 Prozent betrage, meinte Manastireanu.

Dosenfleisch hat nicht den Normen entsprochen

Der Generaldirektor von Scandia Food Sibiu, Andrei Ursulescu, betonte gegenüber der Agentur agerpres.ro, dass das Anfang des Jahres nach Grossbritannien exportierte Dosenrindfleisch den zulässigen europäischen Normen entsprochen habe. Ursulescu wollte nicht ausschliessen, dass es sich bei dem von den britischen Behörden nachgewiesenen Pferdefleisch um „Pferde-DNA-Spuren“ handle, die bei betriebsinternen Arbeits- und Transportprozessen mit dem Dosenrindfleisch in Berührung gekommen seien.

Die betreffenden Dosen seien auch nicht wegen der „Verunreinigung“ des Rindfleischs zurückgenommen worden, sondern aufgrund der „nicht-konformen“ Etikettierung.

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