6.03.2018 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Brasilien
Gammelfleisch-Skandal: Verhaftungen
Im Gammelfleischskandal vom vergangenen Jahr in Brasilien hat die Polizei zehn weitere Verdächtige festgenommen und mehrere Lebensmittellabore durchsucht.

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass fünf Labore sowie die Analyse-Abteilungen des brasilianischen Nahrungsmittelriesen BRF Kontrollen gefälscht und so Salmonellenfunde gegenüber den Behörden kaschiert hätten, erklärte die Bundespolizei am Montag.

Dritter Grosseinsatz


270 Polizisten und 21 Lebensmittelkontrolleure waren in fünf Bundesstaaten des Landes im Einsatz. Insgesamt hätten elf Haftbefehle vorgelegen, sagte Mauricio Boscardi Grillo, Kommissar der Bundespolizei, bei einer Pressekonferenz. Unter den Festgenommenen befinde sich auch der frühere Geschäftsführer von BRF, Pedro de Andrade Faria. 

Beim dritten Grosseinsatz der Polizei im Zusammenhang mit dem Gammelfleischskandal seien die Behörden zudem mit 53 Durchsuchungsbefehlen ausgestattet gewesen. Bereits im vergangenen Jahr hatte es Razzien bei verdächtigten Firmen gegeben.

410 Hinweise auf Salmonellenfunde

BRF ist einer der grössten Nahrungsmittelkonzerne der Welt. Nach Angaben des brasilianischen Landwirtschaftsministerium seien bei den Behörden 410 Hinweise auf Salmonellenfunde aus zwölf Ländern eingegangen, in die das Fleisch exportiert worden war. Zu 80 Prozent war die verdorbene Ware an EU-Staaten geliefert worden.

In dem im vergangenen Jahr bekannt gewordenen Skandal sollen Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden bestochen worden sein, um den Verkauf von verdorbenem Fleisch zuzulassen. Die Europäische Union forderte daraufhin von Brasilien, Fleischlieferungen von Firmen in die Mitgliedstaaten auszusetzen, die in den Skandal verstrickt sind. Auch wurden Kontrollen von Importwaren verschärft. China und Hongkong sowie Chile hatten einen vorläufigen Importstopp verhängt.

BRF verkauft weniger nach Europa

Wie BRF im Februar mitteilte, litt der Konzern unter Importbeschränkungen auf dem internationalen Markt infolge des im Frühling aufgedeckten Lebensmittelskandals um verdorbenes und gestrecktes Fleisch aus Brasilien sowie aufgrund des Fundes von Ractopamin-Rückständen in brasilianischem Fleisch durch russische Behörden. 

Zwar konnte BRF sein Absatzvolumen 2017 laut eigenen Zahlen 2017 um insgesamt 4,9 Prozent auf 4,9 Mio. t erhöhen, dies vor allem in Südamerika. Auf den Märkten in Europa und Asien verringerte sich die Absatzmenge um 8,4 Prozent auf 362'000 t beziehungsweise 5,1 Prozent auf 686'000 t.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE