9.10.2013 06:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dpa
Italien
Gardasee: Gefahr durch Plastikmüll
Wie unlängst Schweizer Forscher im Genfersee, so haben nun deutsche Forscher auch im Uferbereich des beliebten Gardasees ungewöhnliche viele Plastikteilchen entdeckt. Die Experten warnen vor Gesundheitsrisiken. Andere Seen könnten noch stärker betroffen sein.

Plastikmüll gefährdet nicht nur die Ökosysteme in Ozeanen, sondern auch in Seen. Deutsche Forscher entdeckten am italienischen Gardasee mehr Plastikteilchen als erwartet. Die Partikel von weniger als fünf Millimetern Grösse waren der Studie zufolge im Uferbereich des Sees teils genauso dicht verstreut wie an Meeresstränden.  

Die Wissenschaftler um Christian Laforsch von der Universität Bayreuth und Reinhard Niessner von der Technischen Universität München warnen vor gesundheitlichen Gefahren auch an Süsswasserseen und fordern verstärkte Kontrollen. Ihre Studie veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift «Current Biology». 

Die winzigen Plastikteile stammten vorwiegend von Konsumgütern und Verpackungen. Sie geraten dem Bericht zufolge direkt oder über Mülldeponien in den See und in ufernahe Gebiete. 

Mit Nahrung verwechseln 

Weil die Teilchen so klein sind, können Fische, Würmer und andere wirbellose Tiere sie mit Nahrung verwechseln. Damit steigt laut Studie das Risiko, dass giftige Plastikreste in die menschliche Nahrungskette gelangen. In Würmern, Schnecken, Muscheln, Wasserflöhen und Muschelkrebsen konnten die Forscher winzige fluoreszierende Kunststoff-Ablagerungen nachweisen.  

Diese Tiere sind am Gardasee heimisch und dienen als Nahrung für andere Tiere - beispielsweise Wasserflöhe, die eine Hauptnahrungsquelle für Fische sind. Und der kommt in vielen Restaurants fangfrisch auf den Tisch. Die Experten hatten im Gardasee eine vergleichsweise geringe Wasserverschmutzung durch Plastik erwartet. Denn der See erstreckt sich direkt unterhalb der Alpen, Bäche und Flüsse haben keine lange Strecke zum See. Umso mehr überraschte die Forscher die hohe Zahl der Partikel. Sie vermuten, dass Süsswasserökosysteme nahe an städtischen Zentren und Industrien noch viel stärker betroffen sind. 

Generelles Warnsignal 

«Wir wollen die Ergebnisse der Analysen als ein generelles Warnsignal verstanden wissen», sagte Laforsch. «Plastikmüll ist eine Gefahr, die keineswegs nur auf ferne Regionen in den Ozeanen - wie etwa den bekannten Nordpazifikwirbel - beschränkt ist. Umweltwissenschaften und Umweltpolitik sollten sich für diese Problematik verstärkt interessieren.» 

Die Substanzen wie Polystyrol und Polyethylen würden in der Natur nicht oder nur langsam abgebaut. Der Nordstrand des Gardasees war den Forschern zufolge erheblich dichter mit Plastikmüll verunreinigt als die südlichen Ufer. Ursache sei die häufige südwestliche Windrichtung, die von der einheimischen Bevölkerung als «Ora» bezeichnet wird und den See - zusammen mit dem gegenläufigen «Vento» - zum Paradies für Surfer, Kiter und Segler macht. 

Styropor im Genfersee 

Der Befund deckt sich mit Erkenntnissen vom Genfer- und vom Huron-See - einem der Grossen Seen Nordamerikas. In Letzterem konzentrierten sich 94 Prozent der Kunststoff-Partikel auf eine einzige Uferregion, berichtete ein kanadisches Forscherteam vor zwei Jahren. 

Auch in einer Vorstudie am Genfersee haben Forscher der ETH Lausanne (EPFL) in sämtlichen gesammelten Uferproben vom Genfersee Plastik gefunden - am häufigsten waren Styropor-Kügelchen. Es fanden sich aber auch viele harte Kunststoffe, Plastikmembrane und Teile von Angelschnüren.

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