21.12.2013 16:12
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchmarkt
Globale Milchproduktion 2014 wieder deutlich im Plus
Das Wachstum der globalen Milchproduktion wird sich im kommenden Jahr wieder spürbar beschleunigen. Davon geht das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) in seiner aktuellen Analyse des Weltmilchmarktes aus.

Die Washingtoner Experten prognostizieren für 2014 in den wichtigsten Erzeugerländern, die zusammen rund drei Viertel der Weltproduktion repräsentieren, einen Anstieg der Kuhmilcherzeugung um 2,2 % auf 476,3 Mio t. Im noch laufenden Jahr hatten insbesondere die witterungsbedingten Produktionsausfälle in Ozeanien das weltweite Milchaufkommen nur unterdurchschnittlich um 0,8 % auf voraussichtlich 465,9 Mio t steigen lassen. Die gesunkenen Futterpreise, günstigere klimatische Bedingungen und die vielfach auf Rekordniveau gestiegenen Erzeugerpreise seien ein starker Anreiz für die Produzenten, den Milchhahn wieder aufzudrehen, erläuterte das USDA.

Besonders deutlich dürfte sich dies in Neuseeland bemerkbar machen, wo die Erzeugung nach dem Rückgang 2013 nun wieder um 4,5 % auf fast 20,6 Mio t zulegen soll. Auch für Australien, Argentinien, Brasilien, Indien und China werden überdurchschnittliche Wachstumsraten erwartet. In den USA selbst könnte nach Einschätzung der Washingtoner Spezialisten die Milcherzeugung 2014 auf den neuen Rekordwert von 93,1 Mio t klettern und damit die Vorjahreslinie um 1,8 % übertreffen. Zurückhaltender fällt die Prognose für die EU-28 mit einem Anstieg der Molkereianlieferungen um 0,6 % auf 140 Mio t aus, nachdem sich das Milchaufkommen in der Gemeinschaft im laufenden Jahr mit gut 139 Mio t in etwa auf dem Produktionsniveau von 2012 bewegen dürfte. Bei einem stabilen Kuhbestand von etwas mehr als 23 Millionen Stück soll der moderate Anstieg der EU-Milcherzeugung 2014 laut USDA ausschließlich aus der Leistungssteigerung je Tier resultieren.

Mehr Kühe in China


Nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums wird sich 2014 die weltweite Aufstockung der Milchkuhherden fortsetzen und damit der Grundstein für die wachsende Erzeugung gelegt werden. In den führenden Produzentenländern soll der Bestand im kommenden Jahr gegenüber 2013 um 2,0 % auf insgesamt 140,2 Millionen Tiere wachsen. Dabei rechnen die US-Experten mit einem weiteren expansiven Herdenaufbau in Indien um 3,8 %, wo im kommenden Jahr die Zahl der Milchkühe erstmals die Marke von 50 Millionen Tieren überschreiten soll. Das vom USDA für 2014 erwartete starke Wachstum der chinesischen Milcherzeugung um gut 7 % auf 37 Mio t wird vor allem aus einer Aufstockung der Kuhherden gegenüber 2013 um mehr als 6 % auf 8,9 Millionen Tiere resultieren. Damit würde China auf Platz fünf der Länder mit den weltweit größten Beständen vorrücken und Russland verdrängen. Dort dürfte sich zwar der jahrelange Abbau der Kuhherde verlangsamen, doch wird für 2014 immer noch ein Minus von 0,8 % auf knapp 8,5 Millionen Tiere prognostiziert. Auch in der benachbarten Ukraine sollen dem US-Agraressort zufolge dann 0,5 % weniger Kühe gehalten werden. Stabile bis leicht zunehmende Milchviehherden werden neben der EU auch für die USA, Argentinien und Mexiko erwartet. In Neuseeland dürften die Viehalter 2014 dagegen ihren Kuhbestand deutlicher aufstocken, und zwar um 1,3 % auf gut 5,1 Millionen Tiere. Auch in Brasilien werden die Erzeuger erneut auf Wachstum setzen und ihre Kuherden nach einem Plus von fast 3 % im laufenden Jahr um weitere 2 % vergrößern.

Im- und Exporte steigen

Trotz des weltweit größeren Milchangebotes sehen die Experten des US-Ministeriums den Markt nicht schwächer. Die Preise seien zwar auf allen Marktstufen merklich angestiegen; dennoch habe die Nachfrage 2013 weiter zugenommen und werde das auch 2014 tun, prognostizierte das USDA. Dafür spreche, dass in Asien und auf dem wichtigen Markt China die Kaufkraft auch im kommenden Jahr wachsen werde. Das größere globale Angebot treffe somit auf eine weiter zunehmende Nachfrage und werde Abnehmer finden. Entsprechend geht das US-Agraressort nach der etwas verhaltenen Entwicklung 2013 für das kommende Jahr von einer spürbaren Belebung des internationalen Handels mit Milchprodukten aus und prognostiziert für alle wichtigen Erzeugnisse steigende Im- und Exportzahlen. Das dürfte sich vor allem am Milchpulvermarkt bemerkbar machen; doch auch für Butter und Käse wird mit einem regeren Geschäftsverlauf gerechnet.

Mehr Vollmilchpulver in Neuseeland

Eine Schlüsselrolle für die zukünftige Entwicklung des Weltmarktes sehen die US-Analysten im Nachfrageverhalten Chinas. In den vergangenen Jahren wurden von der Volksrepublik immer größere Mengen Vollmilchpulver gekauft. Im laufenden Jahr soll sich die Importmenge auf 535 000 t summieren und damit trotz merklich gestiegener Preise fast ein Drittel größer als 2012 ausfallen. Doch der Bedarf der Chinesen für dieses Produkt, beispielsweise zur Herstellung von Babynahrung, Joghurt oder Milchgetränken, ist laut USDA noch lange nicht gestillt und wird weiter zunehmen. Die US-Experten rechnen für 2014 mit einem weiteren Anstieg der Einfuhren um 115 000 t oder mehr als 20 % auf 650 000 t, wodurch China mit Abstand wichtigster Absatzmarkt für die Exporteure bleibt. Unter diesen dürfte Neuseeland am stärksten vom Vollmilchpulverbedarf der Chinesen und anderer Staaten profitieren. In den einträglichen Bereich hat Marktführer Fonterra durch den Neubau von Produktionsanlagen kräftig investiert und wird bei voraussichtlich steigender Milcherzeugung zusammen mit den anderen Molkereien des Landes die Vollmilchpulverherstellung hochfahren. Die verfügbare Ausfuhrmenge könnte laut USDA deshalb 2014 um fast 6 % auf 1,35 Mio t zunehmen. Damit dürfte sich die EU als weltweit zweitwichtigster Exporteur, auch in Abhängigkeit von Wechselkursrelationen, einem verschärften Wettbewerb ausgesetzt sehen. Entsprechend vorsichtig kalkulieren die US-Analysten das Ausfuhrplus der Gemeinschaft mit einem Zuwachs von 1,4 % auf 375 000 t. Argentinien und Australien sollen dagegen ihre Exportmengen um jeweils 11 % gegenüber 2013 steigern können und am internationalen Markt 211 000 t beziehungsweise 100 000 t absetzen. Ein wichtiger Abnehmer könnte Algerien sein, dessen Einfuhrbedarf im nächsten Jahr um ein Viertel auf 170 000 t zunehmen soll.

Anstieg der EU-Magermilchpulverexporte


Auch der Markt für Magermilchpulver wird 2014 von einem steigenden Bedarf der Verbrauchsländer geprägt sein. Laut Prognose des USDA werden die weltweit wichtigsten Importeure im kommenden Jahr zusammen fast 1,16 Mio t beziehen, das wären fast 5 % mehr als im laufenden Jahr. Mit einem Einfuhrplus von gut 16 % gegenüber 2013 auf 250 000 t wird China auch auf diesem Markt die Rolle des führenden Importlandes übernehmen. Dahinter werden voraussichtlich Indonesien mit 230 000 t und Mexiko mit 210 000 t folgen, die ihre Bezüge im Vergleich zu 2013 um rund 2 % beziehungsweise 5 % ausdehnen werden. Zudem soll Russland 2014 mit 140 000 t fast 8 % mehr Magermilch am Weltmarkt einkaufen, während für Algerien ein Rückgang um 8 % auf 115 000 t erwartet wird.

Von der als günstig eingeschätzten globalen Absatzlage sollten 2014 auch die EU-Exporteure profitieren. Laut US-Prognose wird die Magermilchpulvererzeugung in der Gemeinschaft nach dem Rückgang 2013 im kommenden Jahr wieder um 60 000 t auf 1,27 Mio t wachsen; diese Mehrproduktion muss bei einem als stabil angenommenen Verbrauch von 800 000 t auf den Auslandsmärkten vermarktet werden. Die EU-Exporte sollen deshalb gegenüber dem schwachen Jahr 2013 wieder um fast 15 % auf 475 000 t steigen. Wettbewerber USA konnte im aktuellen Jahr von Angebotsengpässen in Neuseeland und der EU profitieren und eine Rekordausfuhr von 560 000 t realisieren. Dies wird aufgrund der global größeren Angebotsmengen 2014 nicht mehr möglich sein; das USDA rechnet mit einem Exportrückgang um knapp 4 % auf 540 000 t. Neuseeland wird dagegen seinen internationalen Absatz um 2,4 % auf 420 000 t ausdehnen können, und auch Australien dürfte seine Lieferungen an den Weltmarkt um gut 6 % auf 165 000 t steigern. Nach der Aufhebung des Exportverbotes im Juni 2012 ist auch Indien zum wichtigen Anbieter von Magermilchpulver auf internationalem Parkett geworden. Der Subkontinent dürfte seine Ausfuhrmenge des laufenden Jahres von 120 000 t aber nicht halten können und 2014 nur rund 90 000 t exportieren.

USA mit Rekordausfuhr bei Käse

Nicht so stürmisch, dafür aber stetig nach oben haben sich in den vergangenen Jahren die Exporte am globalen Käsemarkt entwickelt. Die aggregierte Ausfuhr der führenden Anbieter wird 2013 laut Schätzung des US-Ministeriums gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um 3 % auf 1,7 Mio t zulegen. Maßgeblich daran beteiligt sind die USA mit einer Steigerung ihrer Käseexporte um voraussichtlich 8,1 % auf den neuen Rekordwert von 307 000 t. Vor allem Frischkäse nach Südkorea, Mexiko und China lief laut USDA sehr gut. Auch im kommenden Jahr dürften die USA große Mengen am internationalen Markt platzieren; allerdings rechnen die US-Experten wegen der stärkeren Konkurrenz aus der EU und Neuseeland mit einer leichten Exportabschwächung um rund 1 % auf 303 000 t. Die Ausfuhren der Gemeinschaft dürften sich dagegen weiter stetig nach oben bewegen: Nach einem Plus von gut 3 % im laufenden Jahr sollen sie 2014 noch einmal um ebenfalls gut 3 % auf 825 000 t zulegen. Noch dynamischer dürfte sich nach einem Dämpfer im aktuellen Jahr die Weltmarktbelieferung Neuseelands entwickeln, die 2014 wieder um 7 % auf 300 000 t steigen soll. Das Nachbarland Australien wird laut Prognose des US-Agraressorts im kommenden Jahr mit 190 000 t fast 6 % mehr Käse am internationalen Markt anbieten. Der größte Importeur von Käse wird 2014 erneut Russland heißen, dessen Einfuhren im Vergleich zu 2013 um 10 000 t auf 385 000 t zunehmen sollen. Einen größeren Bedarf wird dem USDA zufolge auch Japan haben, das seine Bezüge um 16 % auf 247 000 t steigern soll. AgE

Ozeanien mit größerem Butterangebot


Der internationale Markt für Butter wird 2014 nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums ebenfalls einen regeren Handelsaustausch erleben. Insbesondere „Exportweltmeister“ Neuseeland dürfte aufgrund der steigenden heimischen Produktion mit spürbar größeren Mengen am Markt vertreten sein und könnte im nächsten Jahr mit 510 000 t ein Ausfuhrplus von gut 7 % realisieren. Das Nachbarland Australien wird seine Weltmarktlieferungen voraussichtlich ebenfalls erhöhen, und zwar um fast 13 % auf 62 000 t. Die höheren Buttermengen in Ozeanien werden nach Angaben des USDA vor allem den US-Anbietern zusetzen und diese Marktanteile kosten. Nach einem Rekordausfuhrwert von 91 000 t im laufenden Jahr sollen sich die amerikanischen Exporte 2014 nur noch auf 70 000 t belaufen. Die EU wird nach Einschätzung der US-Analysten dagegen ihr Liefervolumen des Jahres 2013 von 120 000 t auch im nächsten Jahr halten können. Eine mögliche Absatzdestination für Butterexporteure in der Gemeinschaft könnte Russland sein, das seine Bezüge 2014 um 3,4 % auf 150 000 t ausweiten soll, nachdem die Einfuhr 2013 bereits um mehr als ein Fünftel seigen dürfte.

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