26.07.2015 06:19
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchmarkt
Globale Milchproduktion: Anstieg schwächt sich ab
Die weltweit stark gefallenen Milcherzeugerpreise dürften im weiteren Jahresverlauf die globale Expansion der Milchproduktion bremsen; von einer schnellen Preiserholung ist jedoch nicht auszugehen.

Zu dieser Einschätzung ist das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in seiner aktuellen Analyse des Weltmilchmarkts gelangt. Dabei erwarten die Washingtoner Analysten für die 14 wichtigsten Milcherzeugerländer 2015 ein Kuhmilchaufkommen von insgesamt 489,4 Mio. t; das sind rund 3,0 Mio. t oder 0,6% weniger, als bei der letzten Prognose im Dezember 2014 angenommen worden war. Anstelle eines Produktionsanstiegs von 1,6% soll es im Vergleich mit 2014 nun nur noch einen Zuwachs von 1% bei der globalen Milchmenge geben.

Weniger Milch in Neuseeland

Weniger Milch als noch Ende 2014 erwartet wurde, dürfte es nach Ansicht der USDA-Experten 2015 in Neuseeland geben. Dort sind die Milcherzeugerpreise auf das tiefste Niveau seit sieben Jahren gefallen, und die Exporte insbesondere in Richtung China laufen längst nicht mehr so rund wie in der Vergangenheit. Da sich keine schnelle Margenverbesserung abzeichnet, haben einige Erzeuger ihre Milchkuhherden bereits abgestockt; das USDA rechnet im Vergleich zum Vorjahr mit einem Bestandsabbau um 64'000 Tiere oder 1,2% auf 5,2 Millionen Kühe.

Die neuseeländische Milcherzeugung soll 2015 mit knapp 21,7 Mio t um 1% unter dem hohen Vorjahresniveau bleiben. In Argentinien leiden die Milchbauern dem US-Ministerium zufolge nicht nur unter ungünstigen Witterungsbedingungen, sondern auch unter der schlechten wirtschaftlichen Lage mit einem schlechten Zugang zu Krediten, den Handelsrestriktionen der Regierung und dem Verfall der Preise des Hauptexportprodukts Vollmilchpulver.

Der Kuhbestand dürfte in dieser Situation erneut spürbar abnehmen und das argentinische Milchaufkommen gegenüber 2014 um 3,6% auf 10,7 Mio t sinken. Auch in Russland rechnen die US-Experten 2015 mit weniger Milch; die Erzeugung soll dort um 3,4% auf den neuen Tiefstwert von 29,5 Mio t abnehmen.

Moderater Produktionsanstieg in der EU

In den USA wird nach Einschätzung der USDA-Experten der Anstieg der Milchproduktion 2015 mit 1,3 % auf 94,7 Mio. t voraussichtlich nur rund halb so groß ausfallen wie noch vor einem halben Jahr prognostiziert wurde. Neben den niedrigen Erzeugerpreisen nennen die Washingtoner Analysten dafür unter anderem die Trockenheit in einigen Landesteilen als Grund, die zu Einbussen bei der Milchleistung führt.

Für die EU erwarten die US-Experten trotz des Quotenendes nur einen moderaten Anstieg der Milcherzeugung gegenüber 2014; hier dürfte sich ein Plus von 0,3% auf 147 Mio t ergeben. Als begrenzende Wachstumsfaktoren werden für die EU der anhaltende Importstopp Russlands, aber auch die niedrigen Erzeugererlöse genannt, wobei sich die Margensituation der Milchbauern in der zweiten Jahreshälfte kaum bessern dürfte.

Auch die EU-Kommission rechnet nach dem Auslaufen der Milchquotenregelung nicht mit einem deutlichen Anstieg der Produktionsmengen in der Gemeinschaft. In ihrer im Juli veröffentlichten Kurzfristprognose gehen die Brüsseler Marktexperten davon aus, dass die EU-Milcherzeugung in diesem Jahr bei leicht abnehmenden Kuhbeständen gegenüber 2014 um 0,9 % auf 148,9 Mio t zulegen und 2016 um 1,0 % auf 150,4 Mio t wachsen wird. Ein Großteil der mehr ermolkenen Milch soll dabei 2015 in die Erzeugung von Butter und Magermilchpulver fließen.

Milcherzeugung in Indien expandiert kräftig

Sehr viel expansiver als in der EU und den USA wird sich bei einem um 4% auf 52,5 Millionen Tiere angewachsenen Kuhbestand wahrscheinlich die Milcherzeugung in Indien entwickeln. Für den Subkontinent rechnen die Washingtoner Analysten im Vergleich zu 2014 mit einem Zuwachs des Aufkommens um 5% auf 63,5 Mio t. Innerhalb von fünf Jahren wäre damit die dortige Milchmenge um mehr als 13 Mio t oder gut ein Viertel gestiegen.

Mit solch hohen Wachstumsraten kann ansonsten nur China aufwarten. Allerdings dürfte der Anstieg der Milchproduktion in der Volksrepublik im laufenden Jahr mit 0,7% auf 37,5 Mio t spürbar an Dynamik verlieren. Die globale Milchpreiskrise macht sich auch bei den chinesischen Erzeugern negativ bemerkbar; im ersten Quartal 2015 lagen die Auszahlungspreise der Molkereien um rund ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau.

Vor allem kleinere Erzeuger haben daraufhin die Produktion eingestellt. Der Milchkuhbestand dürfte laut USDA 2015 erstmals seit Jahren abgestockt werden, und zwar um 1,2% auf 8,4 Millionen Tiere. Hinzu kommt, dass aufgrund der gebremsten konjunkturellen Entwicklung auch die Nachfrage der Verbraucher nicht mehr so flott zunimmt wie in den Vorjahren.

Chinas Einfuhren stark gesunken

Die im Vergleich zu früheren Jahren spürbare Kaufzurückhaltung der Chinesen macht sich seit Jahresbeginn auch in verringerten Importen bemerkbar. Laut EU-Kommission führte die Volksrepublik von Januar bis Mai 54% weniger Vollmilchpulver, 40% weniger Butter und 31% weniger Magermilchpulver als im Vorjahreszeitraum ein. Das US-Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass China 2015 insgesamt nur 400'000 t Vollmilchpulver am Weltmarkt kaufen wird, nachdem es im Vorjahr noch die Rekordmenge von 671 '00 t bezogen hatte. Vor allem Neuseeland bekommt dies als Hauptlieferant zu spüren.

Die EU ist dagegen mit ihren Käseexporten von der andauernden Einfuhrsperre Russlands stark betroffen. Das USDA erwartet, dass die Staaten der Gemeinschaft mit 700'000 t rund 21 000 t oder 2,9% weniger Käse als 2014 an Drittländer verkaufen werden. Die EU-Kommission veranschlagte in ihrer Kurzfristprognose das Ausfuhrminus kürzlich sogar auf 43 000 t oder 6%.

Besser dürfte es dagegen für die EU-Anbieter beim Absatz von Butter laufen. Vor allem nach Saudi-Arabien, Ägypten und die USA nahmen die Lieferungen in den ersten fünf Monaten 2015 spürbar zu; die gesamte Ausfuhrmenge soll laut EU-Kommission am Jahresende mit 150'000 t um 9,6% über dem Niveau von 2014 liegen. Wettbewerbsfähig sind die Exporteure der Gemeinschaft am Weltmarkt wegen des geringen Eurowerts auch bei Magermilchpulver: Der entsprechende Drittlandsabsatz soll 2015 um 17% auf die neue Rekordmarke von 756 000 t steigen.

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