11.10.2018 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Agrochemie
Glyphosat-Prozess neu aufgerollt
Der Bayer-Konzern darf sich Hoffnung machen, dass das millionenschwere Schadenersatzurteil im ersten US-Prozess um verschleierte Krebsrisiken von Unkrautvernichtungsmitteln der Tochter Monsanto wieder gekippt wird. Dies kündigte die zuständige Richterin Suzanne Ramos Bolanos am Mittwoch an.

Demnach wird der Fall wohl wie von Bayer und Monsanto gefordert in einem zweiten Prozess neu aufgerollt. Dabei handele es sich jedoch zunächst nur um einen vorläufigen Entscheid, betonte eine Gerichtssprecherin.

Schadenersatzzahlung von 289 Mio. USD


Im August hatte eine Jury des Gerichts in Kalifornien Monsanto zu einer Schadenersatzzahlung von insgesamt 289 Millionen Dollar an den an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Kläger Dewayne «Lee» Johnson verurteilt. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Monsanto-Produkte mit dem Wirkstoff Glyphosat krebserregend sind und der Hersteller davor nicht ausreichend gewarnt und die Risiken verschleiert hat. Bayer legte Berufung ein und fordert, dass der Fall wegen unzureichender Beweise neu verhandelt wird. Dem stimmte die Richterin nun auf vorläufiger Basis zu.

8700 Klagen

Für Monsantos Konzernmutter Bayer, die den US-Saatgutriesen mit Sitz in St. Louis erst Mitte des Jahres für rund 63 Milliarden Dollar übernommen hatte, ist die Entscheidung des Gerichts von enormer Bedeutung. Denn in den USA laufen insgesamt rund 8700 Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch Glyphosat gegen Monsanto. Bayer muss sich nun mit ihnen auseinandersetzen. Der Fall Johnson ist besonders brisant, da es sich um das erste Urteil handelt und es richtungsweisend für die zahlreichen weiteren Klagen sein könnte.

Bei dem 46-jährigen Kläger Johnson war 2014 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden. Er machte Unkrautvernichter von Monsanto wie die Produkte Roundup und Ranger Pro für seine Krankheit verantwortlich, mit denen er in seinem früheren Job als Platzwart an kalifornischen Schulen häufig hantierte. Johnson dürfte nach Einschätzung seiner Ärzte wegen seines fortgeschrittenen Krebsleidens nicht mehr lange leben, deshalb hatte er in Kalifornien Anrecht auf einen schnelleren Prozessbeginn.

Streit der Experten

Die Frage, ob Monsantos Verkaufsschlager Roundup zu Krebs führen kann, ist allerdings hoch umstritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte den weltweit verbreiteten Unkrautvernichter 2015 zwar als «wahrscheinlich krebserregend» für Menschen ein. Monsanto und Bayer weisen dies jedoch vehement zurück und verweisen auf «mehr als 800 wissenschaftliche Studien, die US-Umweltbehörde EPA, die Nationalen Gesundheitsinstitute und Aufseher weltweit», die zu dem Schluss gekommen seien, dass Glyphosat sicher sei und keinen Krebs verursache.

Bei Anlegern kam der Entscheid der Richterin nunmehr gut an. Der Aktienkurs von Bayer legte im nachbörslichen Handel in einer ersten Reaktion um fast fünf Prozent im Vergleich zum Schlusskurs zu. Nach dem Urteil im August war es zu einem heftigen Kurseinbruch gekommen.

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